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Das Glück ist ein Punkt

Rezension von Janett Cernohuby | 25. Juni 2026
Antolin Quiz

Welche Farbe hat das Glück?
Ist es Grün wie ein Kleeblatt? Gelb wie die Sonne? Rot wie Kirschen?
So wie für jeden Glück etwas anderes ist, ist auch die Farbe, die wir mit dem Glück verbinden, immer eine andere.

Das Glück ist bunt

Vor kurzem ist der Junge mit seiner Familie in ein neues Haus gezogen. Zu diesem gehört auch ein Garten mit einem kleinen Gartenhäuschen. Der Junge entdeckt, dass darin ein Eisbär wohnt. Von nun an geht er jeden Tag in das Gartenhäuschen und liest seinem neuen Freund vor. Eines Tages zeigt der Eisbär dem Jungen ein Buch mit vielen bunten Punkten. Für jedes Glück hat der Bär einen Punkt in das Buch gemalt. Neugierig zeigt der Junge auf diese Punkte und der Eisbär beginnt zu erzählten. Der rote Punkt steht für Kirschenessen, der orange für einen Sonnenuntergang am Meer, der türkise für Schlittschuhlaufen am See. Auch der Junge zeichnet von nun an für jeden glücklichen Moment bunte Punkte in ein weißes Buch.

Geschichte zum Philosophieren

Was für ein zauberhaftes Buch, das auf mehreren Ebenen zugleich spielt. Zuerst einmal ist da die zuvor geschilderte Handlung von dem Jungen, der umgezogen ist und im Gartenhaus einen Eisbären trifft. Doch wenn man das Buch ein zweites, drittes Mal liest, die Bilder ganz genau auf sich wirken lässt, entdeckt man viel mehr. Man sieht einen Jungen, der umgezogen ist und völlig allein in einem neuen Zuhause sitzt. Im Regal ordentlich eingeräumt seine Bücher und Spielsachen, am Fenster noch keine Gardinen und der Baum vor seinem Fenster kahl und ohne Blätter. Eine spartanische, ja fast kühle Szene, die die Einsamkeit und Verlorenheit des Jungens gut einfängt. Dann die Erkundung des Gartenhäuschens mit dem Eisbären, das zuerst grau ist, aber dann bunte Farben annimmt. Gibt es den Eisbären wirklich oder ist er lediglich das Spielzeug aus dem Regal des Jungen? Denn diese - Kuscheltiere, Brummkreisel, Aufziehente - begegnet uns von nun an in allen Bildern. Immer dabei in einem kleinen blauen Handwagen, bilden diese Tiere, das Spielzeug, etwas Vertrautes, was dem Jungen Sicherheit gibt. Was immer da ist, ihn nicht verlässt, selbst wenn es am Rand steht und zuschaut. Je mehr Glücksmomente aufgezählt werden, die zunächst als Erinnerungen beschrieben werden, stellt sich natürlich die Frage, ob es nicht vielleicht doch neue Eindrücke sind, die der Junge in seinem neuen Zuhause sammelt. Das Kirschenessen im Sommer, der Urlaub am Meer, Drachensteigen im Herbst, Spaß im Winter und auf dem zugefrorenen See. Mit jeder dieser Szenen schreitet das Jahr voran und der Junge kommt immer mehr in seinem neuen Zuhause an. Plötzlich sieht man neben ihm nicht mehr nur den Eisbären und die Kuscheltiere aus seinem Zimmer. Plötzlich steht da ein Kind, später ein weiteres. Der Eisbär rückt in den Hintergrund, wird zum stillen, lächelnden Beobachter, bis er in der letzten Szene gar nicht mehr da ist. Dafür aber ein Buch voller bunter Punkte und der Junge inmitten neuer Freunde, die gemeinsam dieses bunte Buch betrachten.

Still, sanft und poetisch erzählt Helga Bansch diese Geschichte von Glück, Ankommen und Neuanfang. Es ist ein Bilderbuch, das man auf sehr vielen Ebenen und aus unterschiedlichen Aspekten heraus betrachten kann. Es muss nicht immer die Umzugsgeschichte sein, auf die man seinen Blick richtet. Man kann sie auch als Ausgangspunkt für das Sammeln eigener Glückspunkte nehmen. Überlegen, wie man sein weißes Buch füllen könnte und welche Farbe man selbst mit welcher Aktivität in Verbindung bringt. Insofern ist dieses Buch eine wunderbare Einladung zum Philosophieren mit Kindern, zum Erinnerung sammeln und zum Erinnern an Glücksmomente.

Details

Bewertung

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