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Der Pfau und der Kranich

nach einer Fabel von Äsop
Rezension von Janett Cernohuby | 06. Juli 2026
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Angesagte Klamotten, trendige Schuhe, ein cooles Handy und die meisten Follower in Social Media. Selten war unsere Welt so sehr auf Äußerlichkeiten und auf Schein aufgebaut wie aktuell. Doch sind Glitzer und Glanz wirklich erstrebenswert oder verlieren wir dadurch den Blick auf das, was wirklich schön ist?

Wenn der Schein trügt

Eitel und mit erhobenem Haupt stolziert der Pfau über den Hof. Er ist der Schönste, trägt majestätisch seine zum Rad aufgeschlagenen Federn und labt sich an seinem prächtigen Farbenkleid. Für andere hat er nur einen herablassenden Blick übrig, können sie seiner Schönheit doch nicht das Wasser reichen. Der Pfau wird auch nicht müde über den Kranich zu lächeln, der mit seinen grau-weißen Federn unscheinbar und plump erscheint. Der lässt sich davon aber wenig beeindruckend und erklärt dem Pfau stattdessen, worauf es wirklich ankommt. Denn auch wenn er, der Kranich, kein prachtvolles Federnkleid besitzt, verfügt er doch über etwas, das viel wertvoller ist: Er kann fliegen! Und während der Pfau nur am Boden bleiben und über den Hof stolzieren kann, sieht der Kranich die Welt, ist überall zuhause und kann von oben die Schönheit von Wäldern, Feldern und Flüssen bestaunen.

Von Prunk und Bescheidenheit

Justus Friedrich Wilhelm Zachariäs Fabel über den eitlen Pfau und weisen Kranich ist nicht neu. Tatsächlich geht sein Gedicht auf eine Fabel Aesops zurück. Diese zeigt uns, dass Äußerlichkeiten und Schönheit oftmals überschätzt werden, da sie Grenzen haben. Ja, der Pfau sieht wunderschön aus, seine Federn glänzen im Licht, doch schon ein Blick von hinten zeigt, dass dies nur Schau ist. Von hinten sieht der Pfau genauso plump aus, wie er es dem Kranich vorwirft. Außerdem vermag ihm seine Schönheit keine Vorteile zu bringen. Er kann nicht fliegen, er kann nicht die Welt sehen - er kann lediglich über den Hof stolzieren und sich vom Hahn auf dem Mist bestaunen lassen. Indem der weise Kranich ihm dies vor Augen führt, zeigt er ihm, dass wahre Werte von innen kommen. Bescheidenheit und innere Schönheit sind viel wichtiger als ein glänzendes Kleid.

Alte Fabel in neuem Gewand

Diese Botschaft hat niemals ihre Bedeutung verloren und ist in einer Zeit, wo es nur darum geht, die größte Reichweite und das perfekte Aussehen zu haben, so wichtig wie selten zuvor. Edition Bracklo hat sich dieses alten Textes angenommen und ihn in ein neues Kleid gepackt. Ein prunkvolles und zugleich schlichtes. Alexandra Prischedko schuf imposante Bilder, mit denen es ihr gelingt, die Kernaussage der Fabel eindrucksvoll zu transportieren. Edel, prachtvoll und majestätisch stolziert der Pfau über den Hof, einen Hühnerhof. Beeindruckend an diesen Bildern ist der Einsatz der Farben. Der Pfau in schillernden Farben, die Kulisse des Hühnerhofs im trüben Bleistiftgrau. Anders beim Kranich. Da ist dieser mit Bleistift gezeichnet, leidglich der Punkt auf seinem Kopf leuchtet in Rot. Dafür ist die Landschaft um ihn herum in den strahlenden Farben von Wiesen, Wäldern und Seenlandschaften gehalten. Dieser Kunstgriff ermöglicht es, die Haltungen und Sichtweisen der Tiere visuell an die Leserschaft heranzutragen. Der Wechsel zwischen bunten Landschaften und tristem Grau schafft eine ganz eigene Dynamik und einzigartige Lebendigkeit. Da stellt man sich vor allem in der letzten Szene die Frage, ob die Worte des Kranichs den Pfau erreichen oder ob dieser an seiner Weltanschauung festhält. Wenn dem so sei, würde er wie viele andere Zeitgenossen agieren.

„Der Pfau und der Kranich“, eine Fabel der Antike als Gedicht aus der Zeit der Aufklärung enthält die zeitlose Botschaft von inneren Werten und äußerlichem Schein, die immer aktuell ist, aber selten so wichtig war, wie derzeit.

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