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Guri und Gura

von Rieko Nakagawa, Yuriko Yamawaki (Illustrator*in)
Rezension von Janett Cernohuby | 13. Juli 2026
Antolin Quiz

Bei uns im Bücherkarussell erscheinen täglich Rezensionen, Buchempfehlungen, die wir unseren Leserinnen und Lesern mitgeben wollen. Aber wie schaut es eigentlich bei uns aus? Lassen wir uns auch Bücher empfehlen? Die Antwort ist ja und manchmal stammen diese Buchempfehlungen sogar aus Büchern. „Frau Komachi empfiehlt ein Buch“ hat uns dazu angeregt, uns einmal den japanischen Kinderbuchklassiker „Guri und Gura“ näher anzusehen.

Backen, feiern, schmausen

Die Feldmaus-Zwillinge Guri und Gura kochen und essen für ihr Leben gern. Die Zutaten für ihre Speisen sammeln sie im Wald, durch den sie auch heute wieder mit ihrem Korb spazieren. Nicht lange und sie finden in riesengroßes Ei. Guri schlägt vor, daraus einen fluffigen Eierkuchen zu backen und Gura ist sofort angetan von der Idee. Doch schon stehen die beiden Feldmäuse vor einem Problem: Egal was sie versuchen, das Ei ist viel zu groß,um es nach Hause zu tragen. Wieder ist es Guri mit der rettenden Idee: Wenn das Ei nicht nachhause zu tragen ist, dann muss die Pfanne eben in den Wald getragen werden. Flink laufen die Mäuse nachause, packen Mehl, Butter, Milch, Zucker, Schüssel und Rührbesen und natürlich die große Pfanne zusammen und gehen zurück in den Wald. Sie richten ein Lagerfeuer her, verrühren alle Zutaten in der Schüssel und füllen den Teig in die große Pfanne. Angelockt von dem Geruch kommen bald schon alle Waldtiere näher und fragen neugierig, was Guri und Gura da zubereiten. Bald ist der Eierkuchen fertig. Guri und Gura teilen ihn natürlich mit allen Waldtieren, bis am Ende nur noch die Pfanne und eine große, zerbrochene Eierschale übrigbleibt. Die wird aber keineswegs weggeworfen, sondern die Feldmäuse wissen sie noch praktisch einzusetzen.

Rieko Nakagawa & Yuriko Yamawaki: Guri und Gura

Der japanische Klassiker

Erstmals 1963 in einer Zeitschrift veröffentlicht, zählt „Guri und Gura“ mit über vier Millionen verkauften Exemplaren zu den beliebtesten Kinderbüchern Japans. Sein Erfolgsrezept liegt zweifellos an der ruhigen Atmosphäre und den stets allgemeingültigen Werten, die hier weitergegeben werden. Gemeinschaft und Miteinander stehen neben der Freude am Teilen im Mittelpunkt. Die beiden Geschwister teilen viele Interessen und unternehmen auch viel zusammen. Etwa das Sammeln von Kastanien, Eicheln und Pilzen, aus denen sie anschließend etwas leckeres kochen. Dabei stoßen sie auf das riesige Ei, das dieses wunderbare Kochabenteuer ins Rollen bringt.
In diesen sind aber nicht nur ihre Kochtalente gefragt, sondern auch ihr Ideenreichtum. Denn das Ei erweist sich als zu schwer und für die beiden nicht transportierbar. Sie haben nun zwei Möglichkeiten: Entweder lassen sie das Ei liegen und kochen etwas anderes oder aber sie lassen sich etwas einfallen. Das tun sie und wenn das Ei nicht in die Küche will, kommt die Küche eben zum Ei.
Ein weiteres Thema ist das Teilen. Ein riesiges Ei und ein mindestens genauso riesiger Kuchen ist für zwei Feldmäuse ganz schön viel. Klar könnten sie ihn für später aufheben, sie könnten ihn aber auch mit den Tieren des Waldes teilen und so anderen eine Freude bereiten. Eine schöne Erfahrung, die doch genauso glücklich macht, wie ein herrlich frisch gebackener Eierkuchen. Es ist übrigens erstaunlich, mit wie wenig Zutaten man so einen Biskuitkuchen zubereiten kann. Das dazugehörige Rezept findet sich ebenfalls im Buch, etwas klein und unscheinbar unter den Lebensläufen der Autorinnen versteckt.
Diese stille und unaufgeregt erzählte Geschichte wird ergänzt von Yuriko Yamawakis lockere Illustrationen. Es sind unkomplizierte Bilder, die die Feldmäuse in den Mittelpunkt setzen und um das eine oder andere Detail ergänzen. Man findet keine große Hintergrundkulisse, die auch gar nicht gebraucht wird. Schließlich wollen auch die Bilder den unkomplizierten Ton tragen - und tun es.

Rieko Nakagawa & Yuriko Yamawaki: Guri und Gura

„Guri und Gura“ ist eine stille, feine Geschichte über das Miteinander, Teilen und Überwinden von Hindernissen, was manchmal mit ganz unspektakulären Ideen wunderbar einfach gelingt.

Details

Bewertung

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