Gaming
Es gibt Bereiche im Leben, die sich seit Jahrzehnten nicht wirklich verändert haben. Andere sind jedoch starken Änderungen unterworfen, abhängig von Gesellschaft und Kultur. Das Thema Gaming – also im Sinne von Videospielen – gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Birk Grüling versucht mit seinem gleichnamigen Werk im Rahmen der Reihe SchlauFux eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen. Ob ihm das gelungen ist, wollen wir uns näher ansehen.
Der Spagat zwischen Geschichtsstunde und aktuellen Trends
Wer Videospiele sagt, muss natürlich auf die Geschichte der Spiele zurückblicken. Und da gehören die ersten Spiele wie Pong, erste Klassiker wie Pac Man und Tetris genauso dazu, wie auch Dauerbrenner wie Super Mario, Zelda oder Tomb Raider, die es in verschiedenen Versionen und in verschiedenen Generationen von Konsolen gibt. Dabei ist es etwas schwierig die Balance zwischen verschiedenen System, Herstellern und Zeitperioden zu finden, was man etwas merkt. Denn das Thema kommt mehrfach im Buch auf.

Zwischen Wissen, Extrawissen und Superschlau!
Ein wenig kompliziert ist auch die Kategorisierung der verschiedenen Wissensstufen. Denn klar, wenn Inhalte aufeinander aufbauen, kann man sich beliebig tief in die Thematik einarbeiten. Aber viele der Kapitel drehen sich nur um verschiedene Aspekte von Gaming. Das passiert aus Sicht von mehreren Personen, die in unterschiedlichen Rollen im Gaming-Sektor arbeiten. Vielleicht hätte man das Konzept nicht zwanghaft in jedem einzelnen Kapitel umsetzen sollen, sondern eher nur dort, wo es wirklich Sinn ergibt? Möglicherweise würde das etwas an Druck herausnehmen, der so etwas ins Leere verpufft.

Allgemeinwissen und Expertenkapitel
Diskutieren könnte man auch über die Inhalte verschiedener Kapitel, die zum Teil sehr an der Oberfläche kratzen und auch nicht unbedingt korrekt sind. Auch wenn das erste Mario-Spiel richtig beschrieben wird, hatte der Protagonist dort noch nicht die Rolle eines Klempners, sondern eines Zimmermanns. Ob Tom Nook wirklich als Baumeister bezeichnet werden kann, ist eher fragwürdig. Und woher die Daten stammen, nach denen Nintendo mit Kinofilmen und Spielzeug mindestens genauso viel verdient hat wie mit den Videospielen, ist nicht ganz nachvollziehbar. Auch die Verharmlosung der Probleme mit Roblox stießen unseren jungen Leser*innen auf. Denn nicht Mobbing ist das Hauptproblem, sondern die nicht ausreichende Regulierung von Inhalten sexueller Natur sowie die Ausnutzung junger Spieler*innen im Rahmen dieser Plattform. Zum Glück gibt es die Aussagen vieler Expert*innen zu den Themenbereichen, in denen sie arbeiten. Das kann man als Berichte akzeptieren. Etliche andere Aussagen sind ungenau, irreführend oder falsch. Dass das Thema KI in der Gaming-Industrie erst im Kapitel über die künstliche Intelligenz von NSCs angesprochen wird und dann dort der Sprung zu generativer KI gemacht wird (die etwas ganz anderes ist), ist auch nicht ideal. Und rein redaktionell gesehen sind Olympiade und Olympische Spiele keine Synonyme.

Birk Grüling ist ein Tausendsassa, der sich in seinen Büchern schon mit den verschiedensten Themen auseinandergesetzt hat. Wenn es aber um Gaming geht, muss man davon ausgehen, dass man dabei auf junge Nerds und Geeks trifft, die sich mit der Materie selbst schon so gut auskennen, wie die meisten Erwachsenen. Die von uns konsultierten Kinder verstehen dann die Behauptung, dass man Spiele für neue Konsolen nicht mehr kaufen muss als Aufruf zu illegalen Downloads und zählen sofort auf, welche Spiele keine spezielle Game-Engine benötigen. Sie kritisieren die Beschreibung von Updates, Bugfixes und die angegebene Zeit, die benötigt wird, um die Welt von „Zelda: Breath of the Wild“ zu erkunden.
Kurz zusammengefasst, die Idee für den Band ist nachvollziehbar und hätte einiges an Potenzial. Die Umsetzung ist aber nicht besonders gut gelungen, da sie an vielen Stellen zu ungenau ist und Widerspruch bei den jungen Leser*innen geradezu herausfordert. Daher kann man das Werk nur eingeschränkt empfehlen.

Der Band „Gaming“ von Birk Grüling ist in der SchlauFux-Reihe des Kosmos-Verlags erschienen und versucht hier ein junges, technikaffines und interessiertes Publikum zu einem aktuellen Thema mit viel Geschichte abzuholen. Leider ist das nur teilweise gelungen, da es ansonsten zu viele Informationen gibt, die bestenfalls oberflächlich recherchiert sind und welche der Prüfung durch kritische Blicke junger Expert*innen nicht standhalten. Insofern kann man das Buch für einen Überblick der Thematik zwar heranziehen, wenn es um konkrete Inhalte einzelner Kapitel gibt, sollte man aber besser zu einem anderen Werk greifen.
Details
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Erschienen:07/2026
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Umfang:64 Seiten
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Typ:Hardcover
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Alter:8 Jahre
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ISBN 13:9783440184905
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Preis (D):14,00