Wir alle sind mit einem Zauberwort aufgewachsen, das bei den meisten wohl „Bitte“ lautete. Tatsächlich gibt es viele Zauberwörter, die das Miteinander erleichtern, aber auch die eigenen Grenzen abstecken. Eines davon ist „nein“ - und was sich dahinter verbirgt, erzählen Rebecca Mir und Ruth Rahlff in diesem Bilderbuch.
Mut, auch einmal Nein zu sagen
Bei den vier Katzen im Hinterhof herrscht ein geregeltes Miteinander. Cleo, Billy und Orlando geben den Ton an, Fiete tut alles, um ihnen zu gefallen und dazuzugehören. Er klettert auf den höchsten Ast im Baum, um Cleo zum Gefallen ein feststeckendes Spielzeug zu holen. Er nähert sich dem gefährlichen Hund, um Billys Wollknäuel zurückzubekommen und er springt Orlando zur Seite, wenn ein Kind ihn übermäßig knuddeln will. Doch er fühlt sich nicht wohl dabei. Es sind Situationen, die ihm Angst machen, in denen er sich unwohl fühlt und vor denen er am liebsten davonrennen möchte. Doch die Aussicht, von den anderen gemocht zu werden, bringt ihn immer wieder dazu, seine eigenen Bedürfnisse hinten anzustellen. Bis eines Tages die Maus Rosie auftaucht und ihm das Zauberwort „Nein“ beibringt.

Von Selbstbewusstsein und echter Freundschaft
Freundschaft kann man sich nicht erkaufen oder sie an Bedingungen knüpfen, denn dann ist es keine echte Freundschaft. Es gibt immer wieder Kinder, die andere ausnutzen und deren Hilfsbereitschaft und sensibles Wesen manipulieren. Rebecca Mir und Ruth Rahlff beschreiben in ihrem Bilderbuch eine solche Situation, wobei sie Kinder mit Katzen ersetzen. Damit externalisieren sie und machen das Thema leichter für Kinder zugänglich. Für beide Seiten, wohlbemerkt. Sie beschreiben, wie Fiete ausgenutzt wird, er sich immer wieder Hoffnung auf Freundschaft macht, aber die anderen gar kein Interesse daran haben. Thematisch wichtig, wenngleich auch nichts Neues. Zudem fällt es eingangs schwer, die Ausgangssituation zu verstehen. Kinder werden in einen Ist-Zustand hineingeworfen, ohne erklärende Worte mitgeliefert zu bekommen. Die kann man sich lediglich aus dem Klappentext holen. Anschließend werden sehr emotional verschiedene Situationen beschrieben, in denen Fiete ausgenutzt wird und sich sichtlich unwohl fühlt. Es fehlt ihm an Selbstvertrauen, seine Grenzen zu ziehen. Maus Rosie ermutigt ihn zwar immer wieder, aber Selbstvertrauen und Mut zu finden, ist nicht einfach. Erst als Rosie zur Zielscheibe wird, erwacht beides in Fiete und er stellt sich schützend vor seine neue Freundin. Eine echte Freundin, die ihn niemals ausgenutzt hat, sondern immer zur Seite stand. Diese Situation ist mit einem schönen Reim versehen und zugleich das Ende vom Buch. Allerdings ein sehr abruptes Ende. Man fühlt sich etwas verloren, sucht noch nach einem abschließenden Satz, der einen nicht ganz so im Nichts stehen lässt.
Lisa Hänschs Illustrationen trägt die Handlung durch das Buch. Es sind farbenfrohe Zeichnungen, wobei sie mal ganzseitig, dann wieder in kleineren Motiven dargestellt sind. Je nachdem, wie es zum jeweiligen Abschnitt passt. Das ist durchaus gelungen und die Gesichter der Tiere tragen ihre Emotionen und Gedanken gut an die Leserschaft heran. Sie können die Geschichte auch erfassen, wenn ihnen das Buch einmal nicht vorgelesen wird.

„Das Zauberwort heißt „Nein!““ erzählt eine Geschichte über Grenzen und Selbstbestimmung, über die Bedeutung von Freundschaft und wann man nur ausgenutzt wird. Es zeigt, dass es Situationen gibt, in denen man besser nein sagt - und dies auch sagen darf. Eine wichtige Botschaft, die allerdings durch den etwas undurchsichtigen Einstieg und das recht abrupte Ende nicht ganz so ideal umgesetzt wurde.
Details
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Erschienen:03/2026
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Umfang:32 Seiten
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Typ:Hardcover
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Altersempfehlung:3 Jahre
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ISBN 13:9783473464715
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Preis (D):14,99 €


