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Bo sieht Gespenster

Rezension von Janett Cernohuby | 15. Mai 2018
Antolin Quiz

Friedhöfe wirken beklemmend, erdrückend und irgendwie auch unheimlich. Wenn man an ihnen vorbei gehen muss, fühlt man sich irgendwie komisch und schaut lieber weg. Nicht, dass hinter irgendeinem Grabstein plötzlich eine unheimliche Gestalt hervorguckt. Doch Bo kann nicht weggucken, denn das Haus, in das sein Vater und er gezogen sind, liegt direkt neben einem Friedhof…

Bo sieht Gespenster

Nachdem Bos Mutter weggezogen ist, mussten auch er und sein Vater sich ein neues Zuhause suchen. Eines, das nicht so viel Geld kostet. Was für ein Glück, dass gerade jetzt ein altes Haus am Waldrand nach neuen Mietern sucht. Doch Bo fragt sich, ob es nicht eher Pech ist. Nicht nur, dass das Haus verlassen und verfallen aussieht, es liegt auch noch direkt neben einem uralten Friedhof und nachts kann man unheimliche Geräusche auf dem Dachboden hören. Als dann plötzlich Gegenstände durchs Zimmer schweben und auf Spiegeln seltsame Nachrichten zu lesen sind, ist Bo klar, dass es in diesem Haus spukt. Doch sein Vater glaubt ihm kein Wort. Vielmehr glaubt er, dass Bo mit seinen Streichen schuld an den seltsamen Ereignissen ist. Doch Bo weiß es besser. Hier stimmt etwas nicht und bald steht er tatsächlich einem Geist gegenüber.

Gruslig mit witzigem Ende

Auch Kinder gruseln sich gerne und mögen Schauergeschichten. Natürlich sollte sich in ihnen am Ende alles zum Guten wenden. Das ist bei "Bo sieht Gespenster" auch der Fall. Harmen van Straaten gelingt es fabelhaft, die richtige Mischung kindlichen Gruselfaktors zu finden, so dass junge Leser mit Begeisterung lesen, sich aber nicht zu sehr vor dem Buch fürchten. Das wird auch von den äußerst atmosphärischen Illustrationen unterstrichen.
Die Handlung selbst ist sehr geradlinig aufgebaut. Wir lernen Bo kennen, einen eher stillen Jungen, der gerade unter einer schwierigen Familiensituation leidet. Zumindest glaubt man das, denn diesbezüglich geht der Autor nicht zu sehr in die Tiefe. Einerseits ist das nicht notwendig, weil es für die eigentliche Geistergeschichte nicht von Bedeutung ist, andererseits nimmt er damit aber auch dem Leser die Möglichkeit, Bo näher kennen und verstehen zu lernen. Dadurch kann man über die gesamte Geschichte hinweg keine wirkliche Beziehung zu dem Protagonisten aufbauen. Er bleibt einfach ein Junge, der die Hauptrolle der Geschichte übernimmt.
Dafür kann man sich umso mehr gruseln. Es gibt viele wunderbar schaurig beschriebene Situationen und Szenen, die die kindliche Fantasie anregen. Dabei achtete der Autor sehr darauf, die dazugehörige Kulisse nicht zu düster und bedrückend zu zeichnen. Auch der Vater, der Geister vehement negiert, ist ein Anker, an dem sich junge Leser festhalten können und der sie beruhigt. Wenn der Vater auftaucht, passiert nichts Unheimliches - oder zumindest nichts, was verängstigt. Wären also nur noch die geheimnisvollen Geister, die Bo anfangs nur vermutet, im weiteren Verlauf dann sogar sieht. Was hat es mit ihnen auf sich? Sind sie böse oder gut? Warum spuken sie auf dem Friedhof und im Haus herum und vor allem, was wollen sie? Ohne zu viel verraten zu wollen, sie sind ganz gewiss nicht so unheimlich, wie man anfangs glaubt. Im Gegenteil, nachdem Bo und der Leser sie endlich kennengelernt haben, beginnt die Geschichte sogar noch richtig lustig zu werden.

"Bo sieht Gespenster" ist ein schaurig-schönes Kinderbuch. Sieht man davon ab, dass man zum Protagonisten selbst nicht unbedingt die Beziehung aufbauen kann, überzeugt das Buch dennoch mit einer gelungenen Mischung aus Grusel und Situationskomik. Mit seiner atmosphärischen Handlung und den wunderbar dazu passenden Illustrationen bekommen junge Leser hier einen tollen Gruselroman geliefert, der ihnen aber auch immer wieder Inseln zum Aufatmen und Luftholen bietet.

Details

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Illustration:

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