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Schwarz wie Schnee

Rezension von Janett Cernohuby | 09. Juni 2017
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Lügen haben nicht nur kurze Beine, man spürt instinktiv, wenn man belogen wird. Egal wie gut eine Lüge aufgebaut ist, wie überzeugend sie rübergebracht wird, wie perfekt alles inszeniert ist. Es bleibt ein schaler Beigeschmack zurück, der das Gefühl vermittelt, etwas stimme nicht. Eine Lüge bleibt eine Lüge und so "Schwarz wie Schnee".

Ein Unfall, der dein Leben verändert

Als die 17jährige Kira im Krankenhaus aufwacht, kann sie sich an nichts erinnern. Sie weiß nicht, wie sie hierhergekommen ist. Sie weiß nicht was geschehen ist. Sie kennt die Frau nicht, die an ihrem Bett sitzt. Und sie kennt ihren eigenen Namen nicht.
Kira. So nennen sie der Arzt.
Kira. So nennt sie die Frau, die ihr als ihre Mutter vorgestellt wird.
Und doch ist ihr dieser Name fremd.
Sie soll Geduld mit sich haben, ihre Erinnerungen, die durch einen Unfall verloren gingen, würden zurückkehren. Mit der Zeit.
Ein Unfall, an den sie sich nicht erinnern kann. Über den sie der Polizei keine Angaben machen kann. Sie weiß nur eins: Irgendjemand ist hinter ihr her und verfolgt sie. Dieses Gefühl wird Kira auch nicht los, als sie aus dem Krankenhaus entlassen wird, als sie wieder zur Schule geht. Und noch etwas wird sie nicht los: Das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt.

Spannend, fesselnd, packend

Bereits 2012 ist Jutta Wilkes Jugendroman "Schwarz wie Schnee" erstmalig erschienen, nun wurde das Buch ein weiteres Mal aufgelegt.
Spannend, fesselnd und unglaublich packend spinnt die Autorin ihre Geschichte. Genau wie die Protagonistin wird der Leser in eine Szene geworfen, die er zunächst nicht versteht, die für ihn völlig fremd ist. Man findet sich in einem Krankenhaus wieder, umgeben von Ärzten, Krankenschwestern und medizinischen Geräten. Vor einem liegt ein 17jähriges Mädchen, das nicht weiß wer sie ist und was geschehen ist. Man spürt nur ihr Befremden, ihr Zweifeln und ihre Angst, die auch im Laufe der Handlung nicht nachlassen, sondern stärker werden. Nach und nach kehrt Kira in ihr altes Leben zurück, versucht sich zu erinnern, findet aber keinerlei Anhaltspunkte, die ihr nur ansatzweise vertraut vorkommen. Stattdessen stellt sie ihr bisheriges Leben, ihr eigenes Ich in Frage. An der Schule hatte sie offenbar keine Freunde, mit Anwesenheit hat sie dort auch nicht gerade geglänzt. Als sie von Nachbarinnen angesprochen wird, irgendwelches Zeug zu besorgen und diese sie sogar nach einiger Zeit bedrohen, fühlt sie sich immer unsicherer, verzweifelter und ängstlicher. Allerdings glaubt ihr niemand. Weder ihre Mutter, noch die Polizei. Lediglich ein Schüler aus dem Deutschkurs scheint ihr zunächst helfen zu wollen. Nicht nur in schulischen Dingen, sondern auch in Bezug auf ihre Erinnerungen. Doch Kira dreht sich im Kreis und die Anfeindungen, Bedrohungen und Übergriffe von ihr unbekannten Menschen werden immer stärker, bis die Situation schließlich eskaliert und  die Wahrheit ans Licht kommt. Eine Wahrheit, die Kira schockiert und ihr die Luft zum Atmen nimmt.

Schwarz wie Schnee

Unglaublich dicht hat Jutta Wilke diesen Plot gewoben und die Handlung geschrieben. Lange Zeit tappt auch der Leser im Dunkel, kann die vielen kleinen Puzzlestücken nicht zu einem stimmigen Bild zusammenfügen. Das entscheidende Teil fehlt. So fiebert man mit, liest Seite um Seite, bis dann endlich, kurz vor Ende Licht in die Angelegenheit kommt und das Geheimnis um Kiras Unfall und ihre Erinnerungen zu Tage gefördert wird.

"Schwarz wie Schnee" ist ein großartiger Jugendroman, der einen von der ersten Seite an fesselt und bis zur letzten gefangen hält. Großartig webte Jutta Wilke ihre Geschichte, baute einen Spannungsbogen auf, dessen Niveau bis zum Schluss gehalten wird und der den Leser erst mit der letzten Seite, mit dem letzten Satz wieder loslässt. Ein rundum gelungener Roman, den man unbedingt lesen sollte!

Details

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
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