Archangel

von William Gibson
Rezension von Stefan Cernohuby | 28. September 2017

Kaum jemand kann bestreiten, dass technologische Errungenschaften großen Einfluss auf die Menschheit haben. Selbst Negativbeispiele wie die Atombombe – oder vielleicht besonders die - haben ihre Spuren in unserem Zeitalter hinterlassen. Wenn sich nun ein Autor wie William Gibson sowohl der Atombombe, als auch dem Thema Zeitreisen annimmt und dabei zum ersten Mal an einer Graphic Novel mitarbeitet, wollten wir das nicht verpassen.

In einer anderen Version des Jahres 2016 liegt die halbe Welt in Schutt und Asche. Der Sohn des amerikanischen Präsidenten auf Lebenszeit hat vor, in einer künstlichen anderen Realität den Zeitverlauf zu ändern, so dass er und sein Vater auf einer nicht zerstörten Welt die Kontrolle übernehmen können. Der Übergang in diese alternative Welt geschieht über ein Gerät, das der „Splitter“ genannt wird. Doch zwei Widerstandskämpfer gegen den US-Präsidenten gelangen durch den Spalt zwischen den Welten, um den Präsidentensohn aufzuhalten. Nur einer überlebt. RAF-Offizierin Naomi Givens untersucht derweil den Absturz eines seltsamen Flugzeugs, das ganz offensichtlich über Technologien verfügt, die ihrer Zeit weit voraus sind. Sie bekommt die Anweisung ihren Ex-Freund Vince, der bei den US-Streitkräften dient, um Hilfe zu bitten. Doch die Situation wird zuerst seltsam und dann gefährlich. Besonders als der Pilot auftaucht ...

Der Name der Graphic Novel kommt nicht von Ungefähr. Er stammt vom russischen Namen des Hafens, in dem sich zum Zeitpunkt des Abwurfs der ersten Atombombe über Hiroshima beinahe die gesamte russische Flotte befand. Und hier ist auch der Punkt in der Zeit, an dem sich die beiden behandelten Parallelwelten im Buch voneinander unterscheiden. Das Grundszenario ist dementsprechend spannend, die Handlung düster und die Protagonisten schweben ständig in Lebensgefahr. Insgesamt drei Illustratoren realisierten das Werk gemeinsam mit William Gibson und seinem Co-Autor Michael St. John Smith. Doch trotz der eigentlich spannenden Überlegungen, der Action, interessanter Technologie und enthusiastischen Protagonisten inmitten eines Wettlaufs gegen die Zeit vermag der Funke nicht vollends überzuspringen. Vielleicht ist man von William Gibson so gut wie immer Meisterwerke gewohnt, weswegen man hier nicht völlig überzeugt sein kann. Ja, das Werk ist gut gelungen, aber man hat stets das Gefühl, dass man noch mehr herausholen hätte können. Für alle Kenner und Liebhaber guter Graphic Novels ist das Buch trotzdem eine Empfehlung wert.

Mit „Archangel“ hat sich William Gibson erstmals auf das Gebiet der Graphic Novels vorgewagt und eine apokalyptische Geschichte rund um Zeitreisen, die Atombombe und machthungrige Politiker verfasst. Auch wenn man hier auf hohem Niveau immer noch Kritikpunkte finden kann, ist das Werk dennoch gelungen. Alle Fans von William Gibson sollten hier zugreifen, um seine ersten Gehversuche in einem anderen Medium zu verfolgen.

Details

  • Autor/-in:
  • Originaltitel:
    Archangel
  • Verlag:
  • Erschienen:
    07/2017
  • Umfang:
    128 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • ISBN 13:
    9783959814140
  • Preis:
    22 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Illustration: