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Feldpost für Pauline

Rezension von Janett Cernohuby | 13. März 2026
Antolin Quiz

Vermutlich jeder hat schon einmal einen Brief mit Verspätung erhalten. Normalerweise handelt es sich da um ein paar Tage, Wochen, Monate vielleicht. Aber wenn ein Brief 97 Jahre braucht, um bei der Empfängerin zu landen, ist das schon eine gewaltige Verspätung. Und wenn die einstige Empfängerin und die jetzige dann auch noch den gleichen Namen tragen, ist das der Anfang eines fesselnden historischen Jugendbuchs.

Feldpost nach 97 Jahren

Denn genauso beginnt Maja Nielsens „Feldpost für Pauline“: Als die 14-jährige Pauline nach der Schule nachhause kommt, erlebt sie eine Überraschung. Dort wartet bereits eine Menschentraube aus Presse und Post. Pauline bekommt einen Brief in die Hand gedrückt, der vor fast 100 Jahren aus den Schützengräben Verduns verschickt wurde. Empfängerin war ihre Namensvetterin und Urgroßmutter Pauline Lichtenberg, Absender war ein Wilhelm. Wer waren diese Menschen und was hat es mit dem Brief auf sich? Pauline will auf Spurensuche gehen und weiß auch genau, wen sie fragen kann: Oma Lieschen. In einer alten Hutschachtel, gut verwahrt, liegen weitere Briefe aus dem Feld, zusammen mit alten Familienfotos und Zeitungsausschnitten. In den nächsten Tagen tauchen Pauline und ihre Oma in die Vergangenheit ein, reisen zurück in die Schützengräben Verduns und erleben eine große Liebe in einer schrecklichen Zeit.

Eine Brücke in die Vergangenheit

Es ist eine Kunst, auf wenigen Seiten eine große Geschichte festzuhalten. Maja Nielsen gelingt dies. Berührend, erschütternd und ergreifend erzählt sie einer jungen Leserschaft von den Schrecken des 1. Weltkriegs, von den Anfängen, als alle jubelnd in den Krieg zogen, von der Ernüchterung der Soldaten, die in Schrecken über die Grausamkeiten der Schlachten übergeht. Die Fronterlebnisse Wilhelms werden ganz unterschiedlich wiedergegeben. Mal bekommen wir sie in Form der Feldpost zu lesen, ein anderes Mal übernimmt Oma Lieschen das Lesen und fasst für Pauline und die Leserschaft zusammen, was erzählt werden muss. Das macht das Buch lebendig, zugleich hat man auch das Gefühl, hautnah dabei zu sein. Doch auch wenn sie von dem Drill in der Kaserne, den schrecklichen Zuständen in den Schützengräben, von Ratten über Nahrungsknappheit und dem Weihnachtsfrieden schreibt, bewahrt sie eine bewusste Distanz, um die grausame Intensität nicht zu deutlich hineinzubringen. Denn es ist ein Buch, das Jugendliche erreichen soll. Dass ihnen vom ersten Weltkrieg erzählen will, der - wie es Pauline so treffend zu Beginn sagt - zwar im Geschichtsunterricht erwähnt, aber bei weitem nicht so detailliert behandelt wird, wie der zweite Weltkrieg.
Um die Leserschaft zwischendurch aufatmen zu lassen, kehrt die Autorin immer wieder in die Gegenwart zurück. In Paulines eigenes Leben, in dem es gerade nicht so leicht ist: Streit mit ihrem Freund, Leistungsdruck von außen, der ihr die Freude am Cello-Spiel nimmt. Auch hier sind es ihre Urgroßmutter und Wilhelm, die ihr helfen, beides für sich zu regeln. So schlägt Maja Nielsen einen Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart und zeigt, wie alles miteinander verbunden ist und wie ein unscheinbarer, lang verschollener Brief großen Einfluss haben kann.

„Feldpost für Pauline“ ist ein emotionaler historischer Jugendroman, der Gegenwart mit Vergangenheit verknüpft. Unaufdringlich und fesselnd erzählt er von den Schützengräben in Verdun während des ersten Weltkriegs, verpackt in einer Familiengeschichte mit Bezug zur Gegenwart.

Details

  • Autor*in:
  • Verlag:
  • Genre:
  • Erschienen:
    06/2013
  • Umfang:
    96 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Alter:
    13
  • ISBN 13:
    9783836957755
  • Preis (D):
    12,00

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Gefühl:

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