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Wie ein Flügelschlag

Rezension von Janett Cernohuby | 11. Februar 2012

Ein Flügelschlag - ein kurzer Augenblick der schnell vergeht, unbedeutend erscheinen mag und doch so wichtig sein kann. Ein kurzer Augenblick, den man falsch beurteilt, aus dem man falsche Schlüsse zieht. Schlüsse, die fatale Auswirkungen haben können; Schlüsse, die in eine völlig falsche Richtung führen können. Von solchen und anderen Augenblicken erzählt Jutta Wilkes neuester Jugendroman "Wie ein Flügelschlag", den wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten.

Nirgends fühlt sich Jana wohler als im Wasser. Schwimmen ist seit jeher ihre Leidenschaft und so geht für sie ein Traum in Erfüllung, als sie ein Stipendium an einem angesehenen Sportinternat erhält. Doch als ganz so traumhaft entpuppt sich der Schulalltag nicht, weniger wegen des Trainings als vielmehr wegen der ständig mobbenden Schulkameraden. Doch Jana gelingt es, die kleinen Schikanen zu ignorieren und zu übergehen. Eines Tages jedoch findet sich Jana in einem Alptraum wieder: Aus dem Schwimmbecken der Trainingshalle wird der leblose Körper ihrer Freundin Melanie gezogen. Melanie war eine der besten und vielversprechendsten Schülerinnen und man sah sie schon mit Medaillen aus den Wettkämpfen der kommenden Olympiade hervorgehen. Warum aber sollte sie plötzlich an Herzversagen sterben? Während ihre Schulkollegen Jana die Schuld geben - schließlich war sie Melanies größte Konkurrentin wodurch diese mehr und härter trainierte - kann diese nicht so recht daran glauben. Jana erinnert sich an ein Zusammentreffen mit Melanie, ein paar Tage vor ihrem Tod. Dabei sah sie in deren Tasche ein Medikament, welches zu Dopingzwecken verwendet wird - mit potenziell tödlichen Nebenwirkungen. Hat Melanie dieses geschluckt? Warum und vielmehr von wem hatte sie es? Ihr Vater, der als angesehener Arzt einer Klinik leicht an dieses Präparat herankäme, ist der erste, auf den ihr Verdacht fällt. Mit Hilfe von Melanies Bruder beginnt sie nähere Nachforschungen anzustellen und stößt dabei auf Machenschaften des Trainers und eine schreckliche Wahrheit...

Man muss keine Erwachsenenromane kaufen, um fesselnde Unterhaltung und spannende Thriller zu lesen. Das beweist uns Jutta Wilke einmal mehr. "Wie ein Flügelschlag" zieht den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann. Besonders junge Leserinnen, die ja das Zielpublikum dieses Werkes sind, können sich rasch mit der Protagonistin identifizieren. Aber auch älteren Lesern fällt es nicht schwer, sich in Jana hineinzuversetzen. Die Autorin zeichnet eine junge Schülerin, die mit Leidenschaft in ihrem Hobby aufgeht; deren Ziel aber nicht der Sieg und der Erfolg ist, sondern der Spaß am Sport selbst. Lediglich Janas alleinerziehende Mutter hat kein Verständnis für das Hobby, sieht sie in diesem eher eine Konkurrenz zu sich. Als Leser bewundert man Jana dafür, dass sie ihren Spaß und ihre Freude am Schwimmen nicht verliert, obwohl sie von Zuhause keinerlei Unterstützung erhält. Doch nicht nur Zuhause stößt sie auf Widerstände. Im Internat ist sie Außenseiter. Zum einen weil sie nicht aus einer gut situierten Familie stammt, wie die meisten ihrer Mitschüler, zum anderen weil sie erfolgreich ist und der Klassenbesten Melanie Konkurrenz macht. Diese sieht in Jana aber keine Rivalin, sondern eine Freundin. Ein weiterer Grund zum Neid für die anderen.
Jenes Mädchen schließt man als Leser übrigens ebenso schnell ins Herz wie Jana. Zwar wird Melanie zu Beginn der Handlung tot aufgefunden, dennoch hat man die Chance in einem Rückblick das ruhige, durch den Leistungsdruck ihres Vaters eingeschüchterte, Mädchen kennenzulernen. Und ebenso wie mit Jana hat man auch mit Melanie Mitleid. Sie liebt die Theater-AG, darf aber wegen der Wünsche ihres Vaters dieser Leidenschaft nicht nachgehen. Noch mehr tut sie einem Leid, als man am Ende die Hintergründe ihres tragischen Tods erfährt.
Natürlich gibt es auch zahlreiche Nebencharaktere, die man sympathisch findet oder hasst. Von so manchem wird man letztendlich sogar enttäuscht.
Doch Handlungsfiguren alleine machen noch keinen guten Roman aus. Dafür braucht es natürlich eine entsprechende Story. Und diese liefert Jutta Wilke ihren Lesern definitiv. Man fiebert die letzten Wochen, die ganz im Zeichen eines Sichtungsschwimmens standen, mit. Wochen, in denen Melanie unbedingt besser sein sollte als Jana - und Jana unbedingt schlechter als Melanie. Man erfährt, wie die Erwachsenen mit den Jugendlichen spielen, sie wie Schachfiguren oder Billardkugeln auf dem Spielplan hin und herschieben. Man liest aber auch vom verzweifelten Kampf Janas gegen eben jene Machtspielchen. Der anfängliche Rückblick geht nahtlos in den weiteren Handlungsverlauf über, führt die Ereignisse fort, die zu Beginn angedeutet werden. Nun steht Jana wieder alleine da, in ihrem Kampf um die Aufklärung von Melanies Tod. Denn zu offensichtlich wurden Tatsachen vertuscht, Fakten vernichtet. Doch was kann Jana erreichen, wenn alle gegen sie sind und sogar ihr die Schuld an Melanies Tod geben?

Mord, Intrigen, Rache, zerstörte Träume - das alles findet man in Jutta Wilkes Roman "Wie ein Flügelschlag". Man fiebert, leidet und fühlt mit den Figuren - hauptsächlich Jana - mit. Man trauert um Melanie und ist bestürzt, wie skrupellos manche bei ihren Rachefeldzügen vorgehen. "Wie ein Flügelschlag" ist ein fesselnder und packender Thriller, nicht nur für junge Leser. Doch für diese ist er eine brandheiße Empfehlung und ein Buch, an dem sie nicht vorbeigehen sollten.

Details

  • Autor*in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    01/2012
  • Umfang:
    282 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Alter:
    14
  • ISBN 13:
    9783649605669
  • Preis (D):
    14,95

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
    Keine Bewertung
  • Gefühl:

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