Als der Mond die Sterne ordnen wollte

Antolin Quiz
von Lena Raubaum, Zuzanna Kowalska (Illustrator*in)
Rezension von Janett Cernohuby | 01. Januar 2026

Als der Mond die Sterne ordnen wollte

Ordnung ist das halbe Leben - wer kennt diese Redewendung nicht? Wir Menschen sind stets bemüht, alles, was uns umgibt, in Kategorien oder andere Systeme zu ordnen. Im Allgemeinen hat das auch seine Berechtigung. Dennoch gibt es Sachen, die man nicht Ordnen kann. Die ihre Ordnung von alleine finden, ganz ohne unser Zutun. Davon erzählt Lena Raubaum in ihrem Bilderbuch, das ganz traumhaft von Zuzanna Kowalska illustriert wurde.

Ordnung am Nachthimmel

Wie haben wohl die Sterne ihren Platz gefunden? Sind sie einfach alleine an den Himmel hingewandert? Hat der Mond sie platziert? Woher wusste er, wohin sie gehören? Lena Raubaum nimmt uns mit in eine stille Nacht, in der der Mond grübelnd auf seiner Schaukel sitzt. Angestrengt überlegt er, wie er die Sterne ordnen soll. Vielleicht nach Größe? Nach Gewicht, Helligkeit oder Farbe? Er könnte mit ihnen Muster legen, Dreiecke, Kreise oder Quadrate? Immer wieder lässt sich der Mond etwas Neues einfallen, doch nichts von dem, was er probiert, gefällt ihm. Verzweifelt lässt er seinen Blick über die Sterne schweifen. Wie kann er nur Ordnung in den Nachthimmel bringen? Da kitzelt es plötzlich in seiner Nase und der Mond muss heftig niesen…

Traumhaft und poetisch

Sanft und warmherzig erzählt Lena Raubaum die Geschichte vom Mond und seinen Bemühungen, den Nachthimmel zu ordnen. Der traumhafte und poetische Erzählton in Kombination mit wohlüberlegten Wiederholungen lässt eine innere Ruhe aufkommen. Man hat das Gefühl, ebenfalls auf der Silberschaukel zu sitzen und dem Mond bei all seinen Bemühungen über die Schulter zu schauen. Und während dieser sich Strukturen und Konzepte überlegt, spürt man sofort, dass das nicht funktionieren kann. Es klingt gut, was sich der Mond überlegt, doch für den Nachthimmel, der uns mit seinen funkelnden Sternen und Sternenbildern zum Träumen einlädt, funktionieren all diese Überlegungen nicht. Dafür sind sie zu starr, zu streng, zu klar. So erkennt auch der Mond, was wir schon lange verstanden haben: Manche Dinge kann man nicht sortieren. Manche Dinge brauchen eine Ordnung, die anderen Regeln folgt und die erst durch diese scheinbare Planlosigkeit zur einer eigenen Ordnung finden. Und eben diese Botschaft steckt zwischen den Zeilen, die man sich über einen QR-Code im Buch vorlesen lassen kann - natürlich von der Autorin selbst.
Begleitet wird die sanfte Abendgeschichte von ganz stimmungsvollen Illustrationen. Zuzanna Kowalska ist eine neuentdeckte junge Illustratorin aus Polen, die das Bestreben des Mondes in traumhaften Blautönen eingefangen hat. Unterschiedliche Schattierungen präsentieren uns einen nächtlichen Himmel, vor dem sich die Dachkulisse einer Stadt erhebt. Darüber sieht es anfangs noch recht eintönig aus. Doch dann öffnet der Mond seine blaue Kiste, aus der er die einzelnen Sterne hervorholt. Gerade noch nachtblau, wird der Himmel nun mit leuchtenden Sternen in unterschiedlichen Größen und Farbschattierungen versehen. Diese wunderbaren Illustrationen passen nicht nur perfekt zur Grundstimmung der Erzählung, sie unterstreichen auch die ruhige Atmosphäre und regen zum Träumen an.

„Als der Mond die Sterne ordnen wollte“ ist ein unaufgeregt erzähltes Bilderbuch über Ordnung und Unordnung, über Regeln und Zwänge, die wir uns auferlegen und die man manchmal einfach beiseiteschieben sollte. Denn manche Dinge ordnen sich von ganz allein. Wie etwa die Sterne am Nachthimmel.

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