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Limonade im Kirschbaum

Rezension von Janett Cernohuby | 16. April 2020
Antolin Quiz

Früher, da haben wir in unserer Kindheit Abenteuer erlebt. Wir sind hinausgelaufen, haben uns mit Freunden getroffen, sind auf Bäume geklettert. Heutige Kinder kennen das alles nicht mehr. Sie hocken nur noch in ihren Stuben und vor ihren Unterhaltungsmedien. Abenteuer in der Natur sind Fremdworte für sie.

Vom Stubenhocker zum Abenteurer

Otto ist ein solcher Stubenhocker. Er lebt mit seinen Eltern mitten in der Stadt. Am liebsten vergräbt er sich in seinem Zimmer und lauscht seinen Hörbüchern. Das wird nur dadurch unterbrochen, dass seine Eltern am Wochenende in ihr Häuschen auf dem Land fahren. Dort haben sie einen großen Garten, in den sie nun auch ein Baumhaus platzieren wollen. Die Bauteile sind bereits in riesengroßen Paketen per Post geliefert worden, nun heißt es anpacken und aufbauen. Doch genau das geht gründlich in die Hose. Denn von Papas früheren Kletterkünsten in Bäumen ist nicht mehr viel zu sehen. Stattdessen stürzt er von der Leiter und bricht sich den Arm. Während Mama ihn ins Krankenhaus fährt, begibt sich Otto auf Erkundungstour durch das kleine Örtchen. Hier findet er schon bald einen neuen Freund und gemeinsam erleben sie ein Abenteuer, in dem es um verlassene Herrenhäuser und leere Gräber geht…

Limonade im Kirschbaum

Wenn Abenteuer nach Kindern suchen

Gerda Raidt erzählt in „Limonade im Kirschbaum“ eine ganz besondere Sommergeschichte, voller Leichtigkeit, Unbeschwertheit und vor allem Abenteuer. Im deren Mittelpunkt steht Otto, der es gar nicht so leicht mit seinen Eltern hat, weil er eben ein klassischer Stubenhocker ist.  Natürlich geben seine Eltern sich große Mühe, um Otto nach draußen zu locken. Das Sommerhaus am Land bietet schon mal einen guten Rahmen, doch die im Garten aufgestellten Spielgeräte wie das Trampolin, vermögen Otto nicht aus der Reserve zu locken. Ein Baumhaus ist der letzte verzweifelter Versuch, doch auch hier scheint es, dass Otto nur wenig Interesse hat.
Bis sein Vater vom Baum stürzt.
Bis er Finn kennenlernt.
Denn mit Finn kommt auch das Abenteuer zu Otto. Finn ist dick, mag ganz klar am liebste Bonbons und scheint ein Einzelgänger zu sein. Doch Finn hat auch ein Baumhaus, wenngleich nicht so luxuriös wie Ottos zukünftiges. Und Finn kennt die Geschichten rund um das alte Gutshaus, dessen Besitzer als verschollen gilt. Es ist eine unheimlich und traurige Geschichte. Eben eine solche, die die Neugier von Kindern weckt, die sie dazu verleitet, unerlaubt über Mauern zu klettern, durch Büsche zu kriechen und Abenteuer zu erleben. Ohne dass er es merkt, wandelt sich Otto vom Stubenhocker zu dem Abenteurer, den sich seine Eltern immer gewünscht haben.
Allerdings müssen auch seine Eltern noch einiges lernen. Vor allem über das Leben am Land. Sie machen einen recht gestelzten Eindruck. Sie wollen Landleben spielen, mit allem, was dazugehört. Dabei wirken sie nicht selten ziemlich aufgeblasen und arrogant. Sie passen eigentlich gar nicht in die ländliche Idylle. Doch zum Glück haben sie Otto und als ein Nachbarschaftsstreit vom Zaun zu brechen droht, in dem vor allem seine Eltern sich ziemlich peinlich benehmen, schafft es der Junge mit einer kleinen, unscheinbaren Geste den Grundstein für die Freundschaft unter Nachbarn zu legen.

Limonade im Kirschbaum

Und so erzählt Gerda Raidt eine Sommergeschichte voller Leichtigkeit und mit dem Duft nach frischer Zitronenlimonade, bei der man sich in den kühlen Schatten eines Baumes setzen und einfach entspannen mag. Während Kinder einfach Kinder sind, hinausgehen und Abenteuer erleben.

Details

Bewertung

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