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Die Bremer Stadtmusikanten

Rezension von Janett Cernohuby | 07. November 2014

Wie gerne erinnern wir uns an die Märchenbücher unserer Kindheit zurück, die wunderschön illustriert und gestaltet waren. Natürlich wollen wir diese Schätze auch an unsere Sprösslinge weiterreichen. Doch nicht immer besitzen wir die einstigen Lieblingsbücher noch, oft hat sie die Zeit verschwinden lassen. Umso schöner ist es dann, wenn Kinderbuchverlage diese noch einmal auflegen. Anfang der 1980er illustrierte Antje Vogel "Die Bremer Stadtmusikanten", im Herbst 2014 wurde dieses Buch vom Coppenrath Verlag neu aufgelegt.

Der Inhalt des Märchens der Brüder Grimm ist wohlbekannt. Vier in die Jahre gekommene Tiere sollen von ihren Besitzern aus dem Futter genommen werden oder sogar im Kochtopf landen. Doch bevor es soweit kommt, nehmen sie Reißaus und beschließen, gemeinsam nach Bremen zu ziehen, um dort Stadtmusikanten zu werden. Des Nachts suchen Sie im Wald ein Lager und der Hahn erspäht ein beleuchtetes kleines Häuschen. Dort drinnen haben es sich Räuber gemütlich gemacht und ordentlich aufgetafelt. Die vier Freunde schmieden einen Plan: Der Hund stellt sich auf den Rücken des Esels, die Katze auf den Rücken des Hundes und der Hahn nimmt auf dem Kopf der Katze Platz. Zusammen schreien, bellen, mauzen und krähen sie aus Leibeskräften und verjagen damit die Räuber aus dem Haus. Nach Bremen ziehen die vier freilich nicht mehr, denn nun haben sie ein gemütliches Heim für ihren Lebensabend gefunden.

Antje Vogels 75. Geburtstag nahm der Coppenrath Verlag als Anlass, der bekannten Illustratorin mit einer "Antje Vogel Kollektion" Danke zu sagen. Zu dieser zählt auch das vorliegende Bilderbuch "Die Bremer Stadtmusikanten".
Dieses erstmals 1980 erschienene Bilderbuch präsentiert sich interessierten Leser als ein Schmuckstück im Leineneinband und mit Titelschild. Doch man soll ja ein Buch bekanntlich nicht nach seinem Einband beurteilen, weswegen wir es gemeinsam mit unseren jungen Testlesern aufschlugen und lasen.
Und hier scheiden sich nun die Meinungen. Während die einen ganz neugierig und gebannt lauschten, teilten uns die anderen ihren Missmut über die Illustrationen mit. Zu grotesk und skurril erschienen ihnen die Darstellungen der Menschen, zu vermenschlicht die Darstellung der Tiere. Mit ihren Armen, Beinen und der Kleidung wirken sie lustig, aber nicht wie Tiere, die auf einem Hof Arbeiten verrichteten. Auch wird durch eben die grotesken Gesichtszüge das Wesen des Müllers oder der Räuber im Bild sehr offensichtlich dargestellt, dennoch fanden nicht alle Testleser Zugang zu den Bildern. Ebenso fehlt es manchen Szenen an Tiefe und sie wirken platt und ohne jegliche Lebendigkeit.
Sehr schön und originell ist die optische Gestaltung des Textes gelungen. Sein handschriftlicher Zeichensatz strahlt Verspieltheit aus und hat etwas Kindliches an sich. Doch sprachlich wurde er nicht in unsere Zeit geholt. Hier begegnet man alten Ausdrücken und Satzgebilden. Jungen Zuhörern fällt es schwer, dem Inhalt zu folgen und an manchen Stellen muss man innehalten um Aussagen zu erläutern.

Wir haben also sehr unterschiedliche Reaktionen auf das Bilderbuch erhalten. Die einen haben es mit Neugierde und Spannung angesehen, die anderen deutlich gesagt, dass ihnen die Zeichnungen nicht gefallen. Somit können wir es nicht uneingeschränkt empfehlen. Vor dem Kauf sollten Eltern und Verwandte gut überlegen, ob dieser Zeichenstil dem Geschmack des Kindes entspricht. Für Sammler und Liebhaber Antje Vogels Werke ist das Buch jedoch besonderes Werk, das man zweifellos sein Eigenen nennen möchte.

Details

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
    Keine Bewertung
  • Gefühl:
    Keine Bewertung

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