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Wer fragt schon einen Kater?

Rezension von Janett Cernohuby | 26. Juli 2017
Antolin Quiz

Es ist allgemein bekannt, dass eine Katze (und natürlich auch ein Kater) keinen Besitzer hat, sondern Bedienstete. Ja, die vierbeinigen Stubentiger sind sehr eigenwillige Tiere, die immer gerade dorthin wollen, wo jemand anderes sitzt, und Protest mitunter auf sehr deutliche und unangenehme Weise kundtun. Da kommt einem natürlich der Gedanke, warum man seine Katze oder seinen Kater nicht in die Familienentscheidungen mit einbezieht. Diese stellt sich zumindest der vierbeinige Protagonist aus dem unterhaltsamen Kinderbuch "Wer fragt schon einen Kater?" von Annette Herzog.

Ein philosophischer Kater

Seit fast einem Jahr wohnt der bildhübsche Kater Aristoteles nun schon bei Familie Fritzewski. Zuerst stand sein Körbchen im Flur, was ihm jedoch gar nicht gefiel. Nachdem er dies an der Tapete mit Kratzspuren deutlich kundtat, durfte er in den Keller umziehen. Doch sein eigentliches Ziel ist Annas Zimmer, genauer gesagt, ihr Bett. Anna ist die Tochter der Fritzweskis und hat Aristoteles vor einem Jahr zum Geburtstag geschenkt bekommen. In diesem Jahr wünscht sie sich wieder ein Haustier, einen Hund. Aristoteles ist entsetzt. Ein Kläffer soll im Haus einziehen und ihm seinen Platz streitig machen? Alles, nur das nicht. Das Katerherz ist zutiefst beleidigt, gekränkt und verletzt. Aristoteles fasst einen Entschluss: Bevor er mit einem Kläffer unter einem Dach lebt, läuft er lieber weg und lebt als Straßenkater. Gesagt, getan. Nur leider hat er nicht bedacht, was da alles auf ihn zukommt.

Eine witzige Geschichte über typische Kater-allüren

Katzen und Kater sind schon sehr eigenwillige Tiere. Verschmust, anschmiegsam, aber auch egoistisch, vereinnahmend und bestimmend. Jeder, der eine Katze hat, weiß, dass man diese Tiere nicht erziehen kann. Man kann sie lediglich mit kleinen Tricks dazu bringen, bestimmtes zu tun oder sein zu lassen. Ja, Katzen sind wie Kleinkinder in der Trotzphase. Und trotzdem kann man nicht anders, als sie liebhaben.
Kater Aristoteles ist ein typischer Vertreter seiner Art. Er gibt seinen Willen durch deutliche Zeichen kund, er will was er nicht haben kann und bekommt er es dann doch, gefällt ihm etwas anderes doch besser. Bescheidenheit ist ihm nicht bekannt. Er hungert nach Anerkennung und Liebe. Eine Folge seiner Zeit im Tierheim? Wohl eher nicht, denn auch dieses Verhalten ist bei vielen anderen Katzen anzutreffen. Und so schleicht er sich auf leisen Samtpfoten in die Bücherregale der Kinder und in ihre Herzen.
Unterhaltsam, flott und witzig erzählt Annette Herzog ihre Geschichte. Sie nimmt uns mit in eine typische Familie mit dem ganz gewöhnlichen Chaos. Ein großer, schlagzeugspielender Bruder der nur stänkert, eine kleine Schwester mitten in einer Spitznamenkrise, die ihrem Geburtstag entgegen fiebert, und eine ganz kleine Schwester, die noch in den Kindergarten geht. Mittendrin steckt Aristoteles und versucht dem ganz normalen Familienwahnsinn zu entkommen. Für Kinder gibt es manches zum Schmunzeln und vieles zum Lachen. Sie können ganz in die Geschichte eintauchen und lassen sich von den Ereignissen davontragen. Vor allem Aristoteles Flucht und sein Versuch als Straßenkater zu überleben, halten so manches Abenteuer bereit, dass es nicht nur ihm den Atem verschlägt. Leidglich die Frage nach Aristoteles' Verbleib, nachdem die Gauner ihm am Ende verschleppt haben, wird nur zur Hälfte geklärt. Eine Frage bleibt offen und lässt auch so manches Kind etwas ratlos zurück. Doch abgesehen davon überzeugt das Buch, sorgt für spannenden Lesegenuss und unterhaltsame Stunden.

"Wer fragt schon einen Kater?" ist nicht einfach nur ein Kinderbuch, das aus der Sicht eines Katers erzählt ist. Es ist eine Geschichte über die verschmusten und manchmal etwas eigenwilligen Vierbeiner. Es ist ein Abenteuer und ebenso eine humorvolle Geschichte darüber, dass man manchmal nach etwas sucht, das man eigentlich schon längst gefunden hat.

Details

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Illustration:

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