Ein neues Zuhause, eine neue Schule, neue Freunde; ein Umzug bedeuten für Kinder eine große Herausforderung. Die vertraute Umgebung ist plötzlich weg, soziale Gefüge müssen neu geknüpft werden. Eine noch größere Herausforderung stellt da der Neuanfang in einem anderen Land dar, besonders wenn er so unvorbereitet passiert wie bei Mirza.
Plötzlich gibt es kein Zuhause mehr
Gleich als der zehnjährige Mirza seinen Vater vor der Schule auf ihn warten sieht, spürt er, dass etwas nicht stimmt. Der Vater hat das Auto vollgepackt, setzt Mirza kommentarlos hinein und fährt los. Stunde um Stunde, Kilometer um Kilometer. Auf seine Fragen erhält Mirza kaum Antworten und das Wenige, was sein Vater sagt, wirft nur neue Fragen auf. Zwei Tage und Nächte fahren sie, tausende Kilometer. Irgendwann, in einem fremden Land, in einem fremden Dorf hält der Vater an einem Haus auf einem Berg an. Es war Opas Haus, als dieser noch lebte, nun steht es leer. Sein Vater will das ändern und von nun an hier leben. Doch Mirza will das nicht. Er will zurück nach Hause, wo sein Freund auf ihn wartet, wo die Menschen die Sprache sprechen, die er versteht. Nicht wie hier, wo ihm alles fremd ist und er niemanden versteht.

Fesselnd und bewegend
Doch es gibt kein Zurück mehr, das macht der Vater ihm bald schon klar. Denn zurück in ihr bisheriges Zuhause können sie nicht. Widerwillig erklärt der Vater, warum er Hals über Kopf geflüchtet ist, warum er alles hat stehen lassen und hier in der Fremde ein neues Leben beginnen will. Zumindest für Mirza ist es die Fremde, denn sein Vater ist hier aufgewachsen. Für Mirza fühlt sich das alles falsch an. Er fühlt sich verloren, das Grummeln in seinem Bauch kommt nicht zur Ruhe. Bald schon beginnt er sich Gespräche zwischen ihm und seinem Freund in der Ferne vorzustellen. Diese Gespräche bieten ihm einerseits Halt, machen ihm aber zugleich seine Einsamkeit bewusst. Er versucht sich zurechtzufinden, im Dorf, in der Schule, unter Gleichaltrigen. Doch immer ist da eine Mauer zwischen ihnen, eine Barriere aus Worten. Denn die Sprache, die hier gesprochen wird, ist Mirza genauso fremd wie das Land selbst. Übrigens hat Enne Koens diese extra für das Buch erfunden, genau wie das Land, in dem Mirza nun lebt. Das macht es für die Leserschaft umso greifbarer, wie es dem Jungen geht und was er empfindet. Seine Verlorenheit und Einsamkeit werden mit jeder Seite schwerer. Er versucht, sich zurechtzufinden, probiert wegzulaufen, erkennt aber, dass er den Dingen ausgeliefert ist. Mit seinem Vater kann er nicht sprechen, die Kinder in der Schule lassen ihn zwar beim Fußball mitspielen, beschweren sich aber zugleich beim Lehrer. Einem Lehrer, den Mirza aufgrund der Sprachbarriere kaum versteht, Unterricht, dem er auch deswegen nicht folgen kann, weil er die Schrift nicht kennt. Wie soll er jemals in diesem fremden Land ankommen?
Enne Koens schafft eine Atmosphäre von Verlorenheit und allmählichem Ankommen. Ihre unaufgeregt erzählte Geschichte steckt voller Gefühl und Erzähltiefe. Damit baut sie eine Brücke für Neuankömmlinge, die auf Verständnis und Hilfsbereitschaft angewiesen sind.

„Zuhause ist woanders“ ist ein ergreifendes Kinderbuch über Neuanfang in einem fremden Land. Die Geschichte erzählt auf erlebbare Weise, wie es ist in, wenn man ganz neu ist, die Sprache nicht kennt und trotzdem am Leben teilnehmen muss, als hätte sich nichts verändert.
Details
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Originaltitel:Vandaag komen we niet meer thuis
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Übersetzer*in:Andrea Kluitmann
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Erschienen:01/2026
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Umfang:240 Seiten
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Typ:Hardcover
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Altersempfehlung:9 Jahre
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ISBN 13:9783836963718
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Preis (D):18,00 €
