Stefan Lohr im Interview

"Für mich ist es ein Traumjob."

Beitrag von Janetts Meinung | 19. Oktober 2018

Als der Tessloff Verlag im Herbst 2017 auf der Frankfurter Buchmesse seine erste Kinderlesebuchreihe „Der kleine Major Tom“ präsentierte, ahnte noch niemand, wie begeistert diese von Kindern im darauffolgenden Frühjahr aufgenommen werden würde. Mittlerweile ist bereits der achte Band erschienen. Die kleinen Raumfahrer Tom und Stella sind zusammen mit ihrer Roboterkatze Plutinchen zum Mond geflogen, haben Kometen erkundet und den Mars besucht. Auf der Frankfurter Buchmesse 2018 nutzten wir die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit Stefan Lohr, dem Illustrator der beliebten Reihe.

Stefan Lohr

Du kommst gerade von einer Major-Tom-Lesung. Wie war es?

Aufregend. Ich habe zum ersten Mal auf großer Palette gezeichnet, ansonsten hat man ja nur ein kleines DIN A4-Blatt und arbeitet digital auf dem Rechner. Aber es hat gut funktioniert. Die Kinder haben sich gefreut, von daher war es ein Erfolg.

Du hast für die Reihe „Der kleine Major Tom“ die Illustrationen gezeichnet. Wie kam es dazu?

Das war ganz unspektakulär: Der Tessloff Verlag hat angerufen und gesagt, dass sie ein neues Projekt starten und ob ich ihnen einen Astronauten zeichnen würde. Mein Vorschlag kam gut an – und der Rest ist Geschichte.

Die Kinderbuchreihe basiert einem riesen Hit aus den 1980igern. Was war dein erster Gedanke, als du von diesem Projekt gehört hast?

Am Anfang wusste ich nichts davon. Der Verlag hat sich da auch bedeckt gehalten. Zunächst sprach man nur von einem Astronauten für ein Lesebuch. Mehr Infos gab es nicht. Als dann die Figur fertig war, erfuhr ich von dem Buchprojekt mit Peter Schilling und dachte - ja, mein Lied aus den 1980igern. Super!

Nachdem du das erfahren hast, haben sich die Illustrationen dann noch einmal verändert?

Nein. Das war gesetzt und so blieb es dann auch.

Was war die größte Herausforderung dabei, die Figuren und Szenen umzusetzen?

Die Geschichten sind sehr sachbezogen, daher müssen die Bilder technisch stimmen. Das ist eines der Projekte, bei denen ich am meisten recherchieren muss und bei Google nachschaue, wie die ISS aussieht, wie beispielsweise eine Weltraumtoilette funktioniert. Das muss auch in den Illustrationen alles stimmen. Oder den Space Racer zu entwerfen. Das ist an sich ein tolles Flugzeug, aber in sich muss es funktionieren. Wo gehen die Landeklappen runter? Wie geht die Haube auf? Wo ist die Sauerstoffzufuhr? Wie fliegt es in der Luft, wie fliegt es im Weltall? Da gibt es zahlreiche Details zu beachten.

Für die Reihe des kleinen Major Toms arbeitet ihr eng mit der DLR - dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt - zusammen. Gab es von dort schon einmal Anregungen oder wurden Unstimmigkeiten in den Bildern aufgezeigt?

Nein, bei den Illustrationen ist das ein bisschen großzügiger. Aber Bernd Flessner stimmt sich da schon sehr genau ab, ob alles passt. Ich richte mich dann nach dem Text.

Stefan Lohr: Der kleine Major Tom

Mittlerweile ist der achte Band erschienen, weitere sind in Planung. Hat diese Reihe deine Arbeit verändert?

Eigentlich nicht. Man muss als Illustrator immer springen - hier eine rosa Prinzessin, dort ein Pirat und dann wieder ein Weltraumthema. Geändert als solches hat sich nichts. Bei Major Tom muss ich lediglich genauer zeichnen, mehr auf technische Details achten, während ich bei anderen Projekten stilistisch freier arbeiten kann.

Vor gut einem Jahr wurde Der kleine Major Tom hier in Frankfurt erstmalig präsentiert, Im Januar lief die Reihe sehr erfolgreich an. Hättest du damit gerechnet?

Eigentlich nicht. Auf dem Lesemarkt gibt es eine Menge Konkurrenz. Dass der kleine Major Tom so erfolgreich ist, freut mich da umso mehr.

Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen dir und den beiden Autoren aus?

Mit Bernd Flessner und Peter Schilling habe ich relativ wenig zu tun. Das läuft alles über die Redaktion von Tessloff, die die Major Tom Crew zusammenhält. Autor und Illustrator sehen sich nicht so oft. Tatsächlich habe ich Bernd Flessner hier auf der Messe zum ersten Mal getroffen.

Neben den Major Tom-Bücher illustrierst du auch für zahlreiche andere Kinder- und Ausmalbücher. Wie bist du Kinderbuchillustrator geworden?

Das war reiner Zufall. Eigentlich bin ich klassischer Grafikdesigner. Illustration war während meiner Ausbildung nur ein Nebenfach. Ungefähr 1999 ging es dann los. Als beim Ravensburger Buchverlag zufällig ein Illustrator ausfiel, rief mich deren Redakteurin an und sagte, sie bräuchte dringend einen Illustrator. Ich könne doch so gut Teddybären zeichnen, ob ich nicht mal schnell etwas aufs Papier bringen könnte. So entstand das erste Buch, dann kam ein zweites und drittes dazu, irgendwann meldeten sich andere Verlage bei mir und jetzt bin ich bei Major Tom gelandet.

Was ist das Schöne am Beruf des Kinderbuchillustrators?

Ich bin den ganzen Tag von der schönen, bunten Kinderwelt umgehen. Von Teddybären, Feen, Herzchen und natürlich Major Tom. Es ist eine Welt, die noch in Ordnung ist, die noch heil ist. Außerdem ist man in diesem Beruf selbstständig, kann frei kreativ sein und seine Sachen machen. Für mich ist es ein Traumjob.

Kinder sind die härtesten Kritiker. Was ist die besondere Herausforderung beim Illustrieren von Kinderbüchern?

Die Herausforderung ist, dass es immer stimmig sein muss. Wenn man etwas entwirft, ist man relativ frei, wie die Figur aussieht. Ob der Teddybär große oder kleine Ohren hat.
Gleichzeitig muss aber auch alles stimmen. Etwa bei den Bilder von Major Tom, wo die Technik und die Darstellung des Weltraums passen muss. Da merken Kinder ganz schnell, ob etwas stimmt oder nicht.
Mir ist beim Zeichnen einer Weltkarte einmal ein großer Fehler unterlaufen. Ich habe Pinguine an den Nordpol gesetzt. Später erklärte mir dann ein Kind, dass dies falsch sei und es am Nordpol keine Pinguine gäbe. Es hat den Fehler vor mir bemerkt.

Welche Motive zeichnest du am liebsten?

Alles. Ich habe keine Vorlieben, ganz egal ob knuffige Teddybärchen oder technische Szenen.

Stefan Lohr

Wie gehst du an die Gestaltung eines Bilderbuchs oder Ausmalbuchs heran?

Ausmalbücher kann ich leicht aus dem Gedächtnis zeichnen. Bei Major Tom sind die Anforderungen dann schon anspruchsvoller, vor allem wenn es technisch wird. Dann muss genau ich recherchieren, wie beispielsweise die ISS aussieht. Aber meistens entstehen die Bilder in der Fantasie, in meinem Kopf.

Gibt es ein Thema, zu dem du noch nichts gezeichnet hast, das du aber gerne einmal angehen würdest?

Ich habe die komplette Range von allen Themen durch. Der Verlag kommt auf mich zu und sagt, wir haben eine Idee, können Sie uns etwas dazu zeichnen.
Der kleine Major Tom war natürlich cool und obendrein etwas ganz Neues. Einmal keine Piraten, Ritter oder Feen zeichnen. Es war klasse, etwas Neues zu zeichnen, neue Herausforderungen zu haben und ein größeres Projekt zu starten. Dass es so groß wird, das habe ich nicht geahnt. Ich dachte damals, ein, zwei Bücher, dann kommt vielleicht eine Pause. Aber nun sind wir ja schon bei Band 8 - und es geht weiter. Das ist aufregend.

Wie sehen deine nächsten Pläne und Projekte aus?

Der kleine Major Tom geht weiter - klar. Mehr darf ich noch nicht verraten. Ein paar Wimmelbücher stehen an, neue Projekte für Tessloff.
Für 2019 habe ich viele Projekte in Arbeit.

Lieber Stefan, vielen Dank für deine Zeit und das Interview hier auf der Frankfurter Buchmesse. Ich wünsche dir noch ganz viel Spaß und Erfolg mit dem kleinen Major Tom und hoffe, dass er sich nicht in den Weiten des Alls verliert.

Stefan Lohr
Stefan Lohr

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