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Bunte Fische überall

Rezension von Janett Cernohuby | 13. Oktober 2021

Trotz aller Offenheit, die wir versuchen zu leben, gibt es noch immer Themen, über die wir lieber schweigen und mit denen wir keine Berührungspunkte haben wollen. Dazu gehört die gleichgeschlechtliche Ehe und noch mehr, wenn es in dieser Kinder gibt. Kathrin Schrocke hat schon 2015 einen Jugendroman hierzu geschrieben, der nun im mixtvision Verlag unter neuem Titel ein weiteres Mal aufgelegt wurde.

Zwei Väter, eine Tochter und ein Baby

Die 13-jährige Barnie ist frustriert. Statt des gewünschten iPads hat sie zu ihrem Geburtstag nur ein altmodisches Notizbuch geschenkt bekommen. Sie fragt sich, warum ausgerechnet sie mit zwei so technikfeindlichen Vätern gestraft ist. Nur kurze Zeit später zieht moderne Technik in den Haushalt ein. In der Schule wird ein Baby-Projekt gestartet, bei dem die Schüler mit einem Partner eine Babypuppe mit nach Hause nehmen und betreuen sollen. Barnie tut sich mit ihrem Schwarm Sergej zusammen. Doch bald muss sie feststellen, dass Sergej doch nicht so cool ist. Er findet es abnormal, dass Barnie zwei Väter hat, dass sie in einer Regenbogenfamilie aufgewachsen ist. Es kommt zu einem riesigen Streit zwischen den beiden und bald steht Barnie als alleinerziehende Mutter einer Babypuppe da.

Eine Geschichte, so bunt wie das Leben

Kathrin Schrocke präsentiert mit „Bunte Fische überall“ einen lustigen Jugendroman mit Tiefgang. Mit viel Gespür erzählt sie von einem jungen Mädchen, das mit zwei Vätern aufwächst. Während es für Barnie das Natürlichste der Welt ist, haben einige ihrer Klassenkollegen jedoch große Probleme damit. Das führt im Verlauf der Handlung zu so manchem Streit und kaputten Freundschaften. Doch Regenbogenfamilien sind nicht das zentrale Thema dieses Jugendromans, wenngleich Kathrin Schrocke mit diesem Buch für Toleranz wirbt und mit einer Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit davon erzählt. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf dem besonderen Schulprojekt, bei dem die Schüler und Schülerinnen eine Babypuppe mit nach Hause nehmen und sich um diese kümmern müssen. Denn diese Puppe simuliert ein echtes Baby: Sie will gefüttert werden, die Windel gewechselt bekommen und natürlich auch Zuneigung erfahren. Dieses Projekt soll die Schüler sensibilisieren, was eine frühe Schwangerschaft und Elternschaft bedeuten. Das sorgt natürlich für so manche schräge und komische Situation. Denn die Babys sind wirklich immer und überall dabei. Auch in anderen Unterrichtsstunden, wo sie dann nicht selten für Chaos und Durcheinander sorgen. Vor allem auf den Mathelehrer scheinen es die Babypuppen abgesehen zu haben. Sein Unterricht verläuft seither alles andere als ruhig. Lachtränen sind beim Lesepublikum vorprogrammiert.
Von all dem erzählt die 13-jährige Barnie natürlich selbst. Sie lässt uns teilhaben an ihrer Gedanken- und Gefühlswelt, an ihrer Schwärmerei für Sergej, den Beginn ihrer Beziehung auch dessen raschem Ende. Denn eines ist klar: Niemand bezeichnet Barnies Väter als unnatürlich, schon gar nicht ihr Schwarm. In dieser Situation beweist das Mädchen Reife und Toleranz, an denen wir Erwachsene uns ein Beispiel nehmen können.

Obwohl bereits vor sechs Jahren erstmals erschienen, ist dieses Jugendbuch noch immer topaktuell. Denn darin geht es nicht nur um ein 13-jähriges Mädchen, das sich zum ersten Mal verliebt und an einem außergewöhnlichen Schulprojekt teilnimmt, sondern es geht auch um Toleranz allen Familien gegenüber. Egal ob diese aus Mutter und Vater, Mutter und Mutter oder Vater und Vater bestehen.

Details

  • Autor*in:
  • Originaltitel:
    Mein Leben und andere Katastrophen
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    10/2021
  • Umfang:
    191 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Alter:
    12
  • ISBN 13:
    9783958541702
  • Preis (D):
    14,00

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gefühl:

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