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Der Wolf kommt nicht

Rezension von Janett Cernohuby | 27. Mai 2020

Geschichten sollen uns überraschen. Sie sollen uns von der weiten Welt erzählen, von Abenteuern. Sie sollen Botschaften vermitteln und dürfen auch mal etwas Lehrreiches beinhalten. Das Bilderbuch von Myriam Ouyessad und Ranon Badel hat garantiert ein überraschendes Ende und hält davor manchen Moment zum Schmunzeln bereit.

Und wenn doch?

Es ist abends. Das Hasenkind soll ins Bett gehen, die Mutter deckt es zu, zieht die Vorhänge zu, schüttelt noch einmal das Kopfkissen auf und legt die Kleidung zusammen. Während sie all das tut, treibt das Hasenkind eine Sorge um: Was, wenn der Wolf kommt? Nein, er kommt nicht, versichert die Mutter. Doch das Kind hat seine Bedenken. Der Wolf ist schlau, er findet einen Weg aus dem Wald, durch die Stadt, in das Hochhaus, zur Wohnungstür. Ganz sicher. Egal was Mama sagt, der Wolf kommt. Davon ist das Hasenkind felsenfest überzeugt…

Der Wolf kommt nicht

Mit viel Humor und einer überraschenden Pointe

Die Geschichte ist einfach grandios. Sie hat alles, was ein Bilderbuch braucht: Charme, Witz, Humor, wunderbare Charaktere und eine Pointe, mit der man auf keinen Fall rechnet.
Zunächst präsentiert sich das Buch recht schlicht. Der Text ist kurz, tatsächlich sind nur die Sätze, die Mutter und Hasenkind wechseln, niedergeschrieben. Keine weiteren Erklärungen, keine Umschreibungen. Das alles steckt in den Bildern. Sie erzählen all die kleinen und großen Details, die eine Geschichte ausschmücken. Sie vertiefen das Gespräch von Mutter und Hasenkind. Zu sehen bekommen wir zunächst nur das Bett, in dem das Hasenkind liegt, mit einem angedeuteten, darum herum befindlichen Zimmer. Darüber der, wie schon erwähnt, schlichte Dialog. Dieses Gespräch erinnert übrigens ein wenig an das alte Kinderlied „Wenn der Topf aber nun ein Loch hat“, hier jedoch, was wenn der Wolf aber nun eine Möglichkeit findet. Es ist einfach herzerfrischend, wie das Hasenkind immer wieder nachhakt, wie es sich immer wieder Gründe und Möglichkeiten überlegt, die von der Hasenmutter seelenruhig beantwortet werden. Als vorlesende/r Erwachsene/r schmunzelt man schon bald, da einem selbst ähnliche Gespräche sehr vertraut sind.
Auf der gegenüberliegenden Seite bekommen wir dann großflächig mehr präsentiert. Aber nichts von der Hasenfamilie oder ihrem Zuhause. Die zweite Doppelseite zeigt das, was die Mutter dem Hasenkind erklärt, wenn es fragt, warum der Wolf nicht kommt. Das Hasenkind gibt nicht auf. Der Wolf kommt ganz sicher, davon ist es fest überzeugt. Es ist fast wie ein Mantra. Tja, und dann klopft es plötzlich an der Tür. Jener Tür im Hochhaus, im fünften Stock. - Und die Pointe, die hier auf die junge Leserschaft wartet, die lässt selbst uns erwachsene Vorleser/-innen sprachlos zurück.
Garantiert.
Versprochen.

Der Wolf kommt nicht

„Der Wolf kommt nicht“ ist ein großartiges Bilderbuch. Charmant und witzig erzählt es von einem abendlichen Gespräch zwischen Mutter und Kind, wie es in seinem Grundton authentischer kaum sein kann. Und dann kommt der Höhepunkt, die Überraschung, mit der niemand gerechnet hat. Höchstens vielleicht das Hasenkind.

Details

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Illustration:

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