Ich war das nicht!

von Lydia Hauenschild, Antje Bohnstedt (Illustrator*in)
Rezension von Janett Cernohuby | 26. Januar 2026

Ich war das nicht!

Ein Fehler ist schnell gemacht. Schwieriger ist es dann, diesen einzugestehen und sich zu entschuldigen. Besonders Kindern fällt dies schwer. Doch nicht nur das Aussprechen einer Entschuldigung ist schwer, sondern diese auch anzunehmen.

Kleiner Fehler, großer Streit

Heute ist Leos Freundin Klara zu Besuch. Zuerst haben sie im Garten gespielt, doch als es zu regnen begann, sind sie nach drinnen in Leos Zimmer gegangen. Hier sieht Klara einen aus Stecksteinen gebauten Elefanten. Zu gerne würde sie mit diesem spielen, doch Leo möchte das nicht, da er Angst hat, dass dieser kaputt geht. Als Leo gerade nicht im Zimmer ist, nimmt Klara den Elefanten trotzdem aus dem Regal. Dabei rutscht er ihr aus den Händen und fällt zu Boden. Als Leo das sieht, wird er richtig sauer. Doch noch wütender wird er, als Klara behauptet, nicht schuld daran zu sein. Weinend wirft sich Leo auf sein Bett. Da überkommen Klara Gewissensbisse. Wie kann sie sich nur bei Leo entschuldigen?

Ich war das nicht!

Sozialkompetenz bei Kindern fördern

Lydia Hauenschild beschreibt in ihrem Bilderbuch eine typische Spielszene aus dem Kinderalltag. Zwei Freunde treffen sich, spielen zusammen, die eine möchte etwas haben, was der andere nicht hergeben möchte. Schon haben wir die erste emotionale Herausforderung für beide. Klara kann nicht verstehen, welche Bedeutung der gebaute Elefant für Leo hat. Natürlich ist dieser nichts Extravagantes, lediglich aus Klemmsteinen selbst gebaut, dennoch hängen für Leo besondere Erinnerungen daran. Das zu respektieren ist etwas, das Kinder nicht automatisch können, sondern erst lernen müssen. Klara versteht dies noch nicht, überschreitet eine Grenze und es tritt ein, was Leo befürchtet hat: das Tier geht kaputt. Klara fühlt sich natürlich schuldig, schämt sich sogar und überlegt, wie sie mit dieser Scham umgehen kann. Emotionaler Konflikt Nummer 2. Natürlich wäre es jetzt richtig, sich zu entschuldigen und vielleicht hätte das den nun aufkommenden Streit gar nicht erst entstehen lassen. Aber auch das ist eine Sozialkompetenz, die Kinder erlernen müssen. Und doch, gerade in diesem Fehler, in ihrer Not kommen die Freunde wieder zusammen. Klara sieht Leos Tränen, möchte ihren Fehler wiedergutmachen. Leo ist dafür noch nicht bereit. Er braucht noch einen Moment, doch als er sieht, wie Klara sich bemüht, kommt er allmählich aus seiner Enttäuschung heraus. Es dauert nicht lange und die beiden spielen wieder miteinander.
Altersgerecht erzählt, vermittelt die Autorin in ihrer Streitgeschichte verschiedene soziale Aspekte. Missgunst, Traurigkeit, Wut, Streit, Versöhnung. Das alles findet Einzug in diese relativ kurze Zeitspanne, in der alles passiert. Die Autorin erzählt aber nicht mit erhobenem Zeigefinger. Sie überbetont nicht, dass Klaras erste Reaktion falsch war, sondern lässt dies einfach so im Raum stehen. Wie es die Leserschaft aufnimmt, welche Gedanken ihnen dabei durch den Kopf gehen, können sie selbst mit dem Vorlesenden besprechen. Das hilft ihnen, die beschriebene Situation zu erfassen und die Gefühle dahinter zu verstehen.
Gefühle spiegeln sich auch deutlich in den großflächigen Illustrationen von Antje Bohnstedt wider. Plakativ zeichnete sie die Kinderzimmerszene, bleibt mit ihrem Fokus auf einem bestimmten Bereich des Zimmers, womit den Bildern trotzt des statischen Hintergrunds Lebendigkeit verliehen wird. Der Fokus rückt auf das Miteinander der beiden Freunde und trägt damit die Gefühle auf bildlicher Ebene an die Leserschaft heran.

Ich war das nicht!

„Ich war das nicht!“ erzählt von zwei Freunden, die über eine typische Spielsituation in Streit geraten und diesen auf ihre Weise auflösen. Zwischen Streit und Versöhnungen liegen viele emotionale Höhen und Tiefs, ebenso Sozialkompetenzen. Dank des Bilderbuchs lernen Kinder diese zu verstehen und können zukünftig in einer ähnlichen Situation anders reagieren.

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