Lakritz-Sommer

von Anna Beringer
Rezension von Janett Cernohuby | 27. Mai 2024

Lakritz-Sommer

Das endlose Blau des Meeres, feine Sandstrände, idyllische Leuchttürme und Windmühlen gleich hinter den Dünen - mit dieser herrlichen Urlaubslandschaft begrüßt die Nordsee ihre Feriengäste. Nella hat diese Kulisse immer vor Augen, denn zusammen mit ihrer Mutter, ihrer Schwester und Opa Ocko lebt sie an der Nordsee. Doch dieser Sommer ist so ganz anders als die bisherigen.

Ein aufregender Sommer

Denn Nellas Mutter hat auf dem Hof ein Café eröffnet und vermietet die dazugehörige Mühle als Ferienwohnung an Urlaubsgäste. Das gefällt Nella gar nicht. Bisher hießen Sommerferien für sie Wattwandern mit Opa Ocko und Pferd Amalie, schwimmen im Meer und Waffelbacken mit der Familie. Dieses Jahr wird jedoch alles anders. Mama hat überall im Hof Lakritz-Pflanzen aufgestellt, die ihren Duft verströmen. Einen Geruch, den Nella gar nicht mag, genau wie Tasha, die zusammen mit ihrem Zwillingsbruder Kiran und den Eltern Urlaub in der Ferienwohnung macht. Obwohl Nella zunächst keine Lust hat, mit den gleichaltrigen Zwillingen mehr zu tun zu haben, ändert sie ihre Meinung bald. Denn kurz nach der Eröffnung des Cafés schleicht ein Mann im Anzug auf dem Hof herum. Er beginnt die Gäste zu vergraulen und führt manch anderes Gemeines im Schilde. Und dann ist da noch Opas Vergesslichkeit, die immer schlimmer wird. Plötzlich ist Nella gar nicht mehr so unglücklich über die Feriengäste, sondern findet in Tasha und Kiran sogar sehr gute Freunde.

Lakritz-Sommer

Ein Schmöker für lange Sommertage

Salzig-bitter und dennoch wunderbar süß - so präsentiert sich Anna Beringers Sommerlektüre der jungen Leserschaft. Die Autorin führt uns an die Nordsee, wo sich vor einer idyllischen Kulisse ein fesselndes Ferienabenteuer entwickelt. Es geht um Neuanfänge, Veränderungen und unerwartete Gelegenheiten. Natürlich ist nicht jeder solchen Veränderungen offen gegenüber. Nella zum Beispiel kann nichts mit ihnen anfangen. Dass ihre Mutter beschlossen hat, die alte Mühle und den Hof in eine Ferienwohnung mit Café zu verwandeln, gefällt dem Mädchen gar nicht. Denn bisher war vor allem die Mühle ein geheimer Rückzugsort für sie. Das ist nun nicht mehr der Fall. Als wäre das nicht schon schlimm genug, liegt über allem auch der Geruch der Lakritz-Pflanzen, die Mama überall aufgestellt hat. Lakritze kann Nella ebenfalls gar nicht leiden.
Und so beginnt die Geschichte zunächst eher mürrisch, fast schon ein bisschen ablehnend. Das ändert sich aber, denn Neuanfänge bringen auch oft unerwartete Gelegenheiten mit sich. Obwohl sich Nella zunächst sträubt, bedeutet das für sie neue Freundschaften, aus denen alle etwas mitnehmen können. Kiran beispielsweise quält sich mit vielen Ängsten, von denen er dank Nella lernt, einige zu überwinden. Im Gegenzug helfen die Zwillinge ihr dabei, dem seltsamen Anzugträger Einhalt zu gebieten, der es nicht nur auf die Mühle abgesehen hat. Und noch etwas tun die Zwillinge für Nella. Sie teilen mit ihr ihre Erfahrungen, denn auch ihre Oma erkrankte an Demenz, so wie jetzt Nellas Opa. Dank Tasha und Kiran gelingt es Nella, sich auf diese eher traurige Veränderung einzustellen und ihren eigenen Weg damit zu finden.

Lakritz-Sommer

Meer, Sandstrand, Wattwanderungen und zwielichtige Gestalten, das und manches mehr präsentiert Anna Beringer in ihrem fesselnden Sommerbuch, das nicht nur Lakritz in seinem Titel trägt, sondern den süßlich-bitteren Geschmack dieser Nascherei auch in seiner Handlung verströmt. Eine wunderbare Sommerlektüre, die man überall und jederzeit genießen kann. Nicht nur am Strand.

Details

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:

Könnte Ihnen auch gefallen: