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So oder so

Einfach Pinguin sein
Rezension von Janett Cernohuby | 22. Dezember 2023
Antolin Quiz

Weißes Hemd und schwarzer Frack darüber - so sieht ein Pinguin aus. So sehen alle aus. Auf den ersten Blick. Auf den zweiten sind manche von ihnen größer, andere kleiner, aber eben schwarz-weiß. Doch sieht man noch etwas genauer hin, dann erkennt man mit einem Mal, dass jeder Pinguin anders ist. Wie anders, das zeigt Marcus Pfister in seinem Bilderbuch.

So bunt ist schwarz-weiß

Sieht man diese Pinguin-Kolonie von weitem, scheinen alle Tiere gleich zu sein. Doch geht man ein Stückchen näher heran, erkennt man viele Unterschiede. Da ist beispielsweise Luca mit dem roten Schnabel und goldenen Haarschopf. Sein Zuhause war ursprünglich eine andere Kolonie.
Mit ihrem suchenden Blick in die Ferne wirkt Ida wie abwesend. Dabei stellt sie sich vor, wie es wohl wäre, richtig fliegen zu können. Oder wie eine Raubkatze zu fauchen. Vielleicht sucht sie aber auch Lena, die sich weniger für Jungs und mehr für Ida interessiert. Timo reißt gerne Witze, aber wie es in ihm drinnen aussieht, weiß niemand genau, und Felix hat kurze Stummelflügel.
Man sieht, äußerlich sind alle Pinguine gleich. Aber innen drinnen ist ein jeder anders, besonders und einzigartig. Und das macht so eine schwarz-weiße Pinguinkolonie gleich viel bunter.

So oder So. Einfach Pinguin sein

Plädoyer für mehr Vielfalt

Liest man sonst von Geschichten über Figuren, die aus ihrer Gruppe oder Gemeinschaft durch ein besonderes Merkmal auffallen, die dann dann ihren eigenen Weg gehen, zieht Marcus Pfister das Thema Diversität anders auf. Er erzählt keine stringente Geschichte, deren Handlung sich nach einem klassischen Muster aufbaut. Vielmehr beschreibt er das Bild einer Pinguinkolonie, stellt einzelne Figuren vor, die hier und da Berührungspunkte aufweisen, aber dennoch für sich alleine stehen. Dramaturgisch passiert nichts, aber dennoch wird hier eine ganze Welt beschrieben. Die unterschiedlichen Pinguine sind alle verschieden, haben jeder seinen eigenen Charakter, Interessen, Vorlieben, Träume, Stärken oder auch Schwächen. So wird plötzlich aus einer homogen scheinenden Truppe ein bunter Haufen ganz unterschiedlicher Tiere. Tiere, die einander ergänzen, vervollständigen, sich gegenseitig unterstützen und die wichtig für die ganze Gruppe sind. Eine bunte Gemeinschaft, in der jeder Platz hat und akzeptiert wird. Dieses Gesamtbild, das Marcus Pfister in seinem Bilderbuch entwirft, wünscht man sich auch für uns Menschen. Marcus Pfister erzählt nicht nur davon, er setzt das Ganze auch in Bildern um. So vielfältig wie seine Pinguine sind auch die bunten Bilder der arktischen Kulisse. Eisberge sind nicht einfach nur weiße Formationen. Sie schillern in den unterschiedlichen Farben, je nachdem wie das Sonnenlicht auf sie fällt. Oder von welcher Seite die Betrachtenden sich ihnen nähern. Hier wechseln die Farben von kühl zu warm, vermischen sich und lassen auch diese frostige Landschaft bei genauem Blick viel bunter erscheinen, als man zunächst glaubt. Es ist also genauso, wie bei den Pinguinen. So wie sie nicht nur schwarz und weiß sind, sind auch die Eisberge nicht einfach nur weiß.

So oder So. Einfach Pinguin sein

„So oder so. Einfach Pinguin sein“ ist ein wunderbares Bilderbuch mit einer ganz großen Botschaft. Marcus Pfister nähert sich dem Thema Diversität auf andere Weise, zeigt nicht, wie sich ein Einzelner in eine Gruppe gleicher einfügt, sondern wie sich eine Gruppe aus vielen einzelnen und unterschiedlichen Charakteren formt. Dieses Bilderbuch so wunderbar leicht wie tiefgründig geschrieben, ist ein gelungenes Plädoyer für eine bunte und vielseitige Welt. Nicht nur unter Pinguinen.

Details

Bewertung

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