Stille Post

Antolin Quiz
von Andrea Tuschka, Rebekka Stelbrink (Illustrator*in)
Rezension von Janett Cernohuby | 03. April 2025

Stille Post

Manchmal führen kleine Missverständnisse zu großen Streitereien. Es kann aber auch umgekehrt vorkommen, dass ein nicht ganz richtig verstandener Satz plötzlich eine neue Bedeutung bekommt und zwei Streithähne wieder zusammenbringt. So geschehen in Andrea Tuschkas und Rebekka Stelbrinks wundervollem Bilderbuch.

Wenn nicht alles nach Plan läuft

Bär und Maus sind beste Freunde, die vieles gemeinsam machen. Doch eines Tages herrscht dicke Luft zwischen ihnen. Beide streiten fürchterlich miteinander und gehen anschließend ohne Versöhnung auseinander. Schlimmer noch, die Maus ist so wütend, dass sie für Bär eine Nachricht hat: Sie will ihn nie wiedersehen. Damit diese Nachricht bis zur Bärenhöhle kommt, bittet sie den Biber, dies dem Bären auszurichten. Der wiederum bietet den Hasen darum, die Nachricht weiterzugeben und dieser das Murmeltier. Das wäre alles noch nicht problematisch, hätte nicht jeder von ihnen ein Stück der Botschaft falsch verstanden und mit eigenen Worten verändert. So kommt am Ende in der Bärenhöhle etwas ganz anderes an, als was die Maus ursprünglich sagen wollte. Zum Glück für die beiden zerstrittenen Freunde, deren Versöhnung nun nichts mehr im Wege steht.

Stille Post

Einfache Botschaft, kunstvolle Umsetzung

Dieses Bilderbuch ist ein kleiner Schatz, etwas ganz Besonderes. Seine Geschichte greift ein typisches Kinderthema auf: Zwei Freunde haben sich zerstritten und über Umwege kommt es zur Versöhnung. Dieser Umweg ist in diesem Falle die „Stille Post“, ein Spiel, bei dem die erste Person ein Wort oder einen Satz sagt, das dann von einem Ohr zum nächsten weitergegeben wird und am Ende etwas völlig anderes herauskommt. So verhält es sich auch in diesem Buch. Die Maus ist wütend und packt all ihren Frust in die mündliche Botschaft an den Bären. Von Tier zu Tier weitergetragen, kommt am Ende aber etwas ganz Gegenteiliges heraus. Es ist also eine Geschichte von Freundschaft und Streit, Zorn und Versöhnung. Diese Botschaft wird wertfrei erzählt. Es wird nicht nach einem Schuldigen gesucht, die anderen Tiere versuchen weder Maus noch Bär zu beschwichtigen. Ein jeder akzeptiert die Situation wie sie ist und macht das Beste daraus - was letztendlich zu einem guten Irrtum wird.

Stille Post

Doch das Besondere an diesem Kinderbuch sind seine Bilder. Dabei handelt es sich nicht um typische Zeichnungen, sondern um aufwendig gestaltete Collagen. Mit Farbe, Schere und Papier schuf Rebekka Stelbrink filigrane Figuren der Waldbewohner und Kulisse, arrangierte sie anschließend zu den Szenen der Erzählung und ließ damit dreidimensionale Bilder entstehen. Ein aufwändiger Entstehungsprozess, der sich auszahlte. Denn herausgekommen sind faszinierende Szenen, die mit einem ganz besonderen Charme die Geschichte von Maus und Bär erzählen. Es sind Bilder, über die man bewundernd und fasziniert seinen Blick schweifen lässt. Es ist einfach großartig, mit welcher Liebe zu Details Rebekka Stelbrink diese Kunstwerke erschaffen hat.

Still und leise kommt dieses kleine Schmuckstück daher. „Stille Post“ erzählt eine Geschichte von Freundschaft, Streit und Versöhnung zwischen Maus und Bär. Es ist eine liebevolle Geschichte, die nicht wertet, sondern mit einem witzigen Umweg zu einem guten Ende führt. Getragen wird diese Erzählung von kunstvoll arrangierten Papiercollagen, die eine ganz eigene Stimmung mitbringen. Ein kleiner Bilderbuchschatz.

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