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Das nennt man Glück

von Cornelia Franz, Meike Töpperwien (Illustrator*in)
Rezension von Janett Cernohuby | 07. Oktober 2025

Was ist Glück? - Eine Frage, auf die es ganz viele Antworten gibt; große und kleine. Glück sieht für jeden anders aus. Für manchen ist Glück ein Gefühl von Fröhlichkeit, für andere ist es Glück, eine neue Wohnung zu finden. Besonders dann, wenn man eine Familie mit fünf Kindern hat. Auf dieses Setting treffen wir in Cornelia Franz‘ Kinderbuch und wer sich darauf einlässt, wird mit einer herzerwärmenden Geschichte belohnt.

Wenn Wohnungssuche zum Glücksspiel wird

Eigentlich ist Wohnungsnot nicht der Stoff für gute Geschichten, er ist bitterer Alltag, vor allem für Familien mit vielen Kindern. So wie bei Familie Mizra, die mit fünf Kindern in einer viel zu kleinen Wohnung mit gerade mal einem Kinderzimmer lebt. Doch eine größere Wohnung zu finden, ist alles andere als leicht. Schon lange suchen Mama und Papa danach, erfolglos. Nun wird es umso dringender, seit Abdi, der Kleinste, auch noch ins Kinderzimmer ziehen muss. Im Elternschlafzimmer kann er nicht bleiben, denn ein Schimmelfleck an der Wand sorgt dafür, dass sein Husten immer schlimmer wird.
Aber woher eine Wohnung bekommen, wenn die einen zu teuer, die anderen zu schäbig ist und bei den nächsten immer andere Familien zum Zug kommen? Janan und ihren Brüdern ist klar, dass sie Papa und Mama helfen müssen. Gemeinsam nehmen sie die Sache selbst in die Hand, hängen Zettel aus und begeben sich aktiv auf Wohnungssuche.

Das nennt man Glück

Turbulente Familiengeschichte

Von dieser turbulenten und aufregenden Wohnungssuche erzählt uns Janan selbst. Als einziges Mädchen unter fünf Brüdern kommt ihr eine besondere Rolle zu. Obwohl sie nicht die Älteste ist, ist sie diejenige, die sich immer wieder durchsetzt und Verantwortung übernimmt. Sei es an den Nachmittagen, wenn Mama nicht zuhause ist und Janan das Mittagessen kochen muss oder wenn es darum geht, die Wohnungssuche voranzutreiben. In dieser bunten Truppe rücken die Erwachsenen ein wenig in den Hintergrund, teilweise auch, weil der Vater als Koch arbeitet und die Mutter zwar einerseits im klassischen Rollenbild der Hausfrau hängt, sich aber dennoch ihre Freiheiten erarbeitet. Sie und Janan teilen ein Geheimnis, hinter das die Brüder gerne kommen würden, das Janan aber für sich behält. Wie gut, dass die Wohnungssuche dabei für Ablenkung sorgt. Die hat es nämlich ganz schön in sich, denn manchmal läuft dabei einfach alles schief. Der Vater fährt versehentlich das Auto der Maklerin an, ein anderes Mal steigt Janan zu früh an einer Haltestelle aus und kommt dadurch zu spät. Je mehr Wohnungsbesichtigungen erfolglos enden, desto mehr sinkt die Hoffnung. Und doch, irgendwann müssen auch die Mizras einmal dran sein. Irgendwann muss das Glück doch auch einmal ihnen gewogen sein.
Neben der Wohnungssuche belastet noch etwas die Familie. Der Cousin von Papa, der im Irak lebt, liegt verletzt im Krankenhaus und benötigt eine Beinprothese. Die kostet Geld, was die Familie mühsam zusammenzutragen versucht. Doch alle helfen, unterstützen und so nimmt auch die Sorge um den Cousin eine gute Wendung.
Diese warmherzige, bisweilen turbulente und chaotische Familiengeschichte hat richtig viel Potenzial. Sie bietet viel Inhalt, viel Gesprächsstoff, dass sie eine ideale Schullektüre sein könnte. Zugleich hat sie aber auch alles, was ein Kinderbuchklassiker braucht. Vor allem Empathie und das Gefühl des Miteinander.

Das nennt man Glück

„Das nennt man Glück“ ist ein feiner Kinderroman mit ganz großem Inhalt. Er thematisiert Migration, Wohnungsnot, Großfamilien, Zusammenhalt, Nachbarschaftshilfe und ist dabei aber so leicht und unbeschwert erzählt, dass man sich einfach nur glücklich fühlt, dass diese Geschichte erzählt wurde.

Details

Bewertung

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