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Der Gesandte des Mondlichts

von Jean-Marie Robillard, Marie Desbons (Illustrator*in)
Rezension von Stefan Cernohuby | 22. September 2016
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Worüber kann man einen Schriftsteller besser definieren, als über seine Tätigkeit? Über die Fähigkeit Worte aneinander zu reihen, um dadurch Gedichte, Kurzgeschichten oder gar Romane zu verfassen. Diese Frage wird im Bilderbuch „Der Gesandte des Mondlichts“ von Jean-Marie Robillard beantwortet, denn in dieser kommt es hinsichtlich eines Buches zu einer großen Überraschung.

Radscha Cokorda Sukawati ist ungeduldig. Denn er erwartet, wie zu jeder Regenzeit, ein Buch mit neuen Geschichten von seinem alten Diener, dem weisen Sastrawane Mandia, einem großen Dichter. Doch während der Radscha ungeduldig am Zierteich mit seinen Karpfen sitzt, ist auch der bereits auf dem Weg befindliche Sastrawane Madnia nervös. Denn heute ist etwas anders als die vielen Male zuvor, als er sich auf dem gleichen Weg befunden hat. Denn heute enthält sein Buch keine Worte, nur leere Seiten. Als sein König dies bemerkt, steht er kurz vor einem Wutanfall. Doch der Dichter beschwichtigt ihn, und erzählt ihm die Geschichte, wie es zu diesem Buch kam.
Eines Tages, als der Weise kurz davor ist, sich ans Schreiben eines neuen Buches zu machen, taucht ein Vogel auf, der einen Stein mit Mondlicht im Schnabel trägt. Als dieser auf den Boden trifft wächst aus ihm ein Baum, auf dem Blätter wachsen. Blätter wie jene, auf denen der Dichter normalerweise schreibt. Und diese Blätter inspirieren ihn zu den schönsten Geschichten, die er je geschrieben hat. Jedes leere Blatt, das in das neue Buch für den Radscha gebunden ist, beherbergt eine schlafende Geschichte, die erweckt werden kann.

Die von Jean-Marie Robillard erzählte Geschichte wurde von Marie Despons passend und überaus eindrucksvoll illustriert. Die Bilder wechseln von perspektivisch richtigen und beinah realistischen Zeichnungen zu absichtlich zweidimensionalen, großflächigen Darstellungen. Die Illustratorin springt von minimalistischen Darstellungen zu surrealistischen Gemälden, die einzelne Aspekte der Charaktere überzeichnen.
Die Handlung ist sehr poetisch und voller Gefühl erzählt. Die Stimmung der Bilder begeistert auch Kinder, selbst wenn viele der auf den Seiten enthaltenen Geschichten nur angedeutet werden können – da sie ja nur als Potenzial auf dem Papier vorhanden sind.
So können sich Kinder selbst vorstellen, welche Geschichten noch erzählt werden können. Und von diesen gibt es eine Menge.
Gestaltungstechnisch ist das Werk hervorragend und auch die Erzählung selbst weiß Kindern zu gefallen. Insofern können wir das Buch gerne empfehlen, auch die Altersgruppe ab fünf Jahren ist gut gewählt.

„Der Gesandte des Mondlichts“ ist eine poetische Geschichte von Jean-Marie Robillard, die darüber hinaus von Marie Despons wundervoll illustriert wurde. Da nicht nur eine Geschichte im Buch, sondern viele Geschichten in der Geschichte stecken, die allesamt Kinder begeistern, können wir dieses Werk mit gutem Gewissen empfehlen.

Details

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Atmosphäre:
  • Illustration:

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