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Die graue Stadt

Rezension von Stefan Cernohuby | 06. November 2023

Es gibt viele Farben im bekannten Spektrum. Grau ist allerdings bestimmt kein, die einen vor Freude jubilieren lässt. So geht es auch der Protagonistin in Torben Kuhlmanns neuem Buch „Die graue Stadt“, die mit ihren Eltern in selbige gezogen ist und dabei deutliche Anpassungsschwierigkeiten hat. Wie sich die Situation entwickelt und inwieweit die Illustrationen des Verfassers eine Rolle spielen, muss man sich genauer ansehen.

Ein Farbtupfer, mitten im großen Grau

Unglücklich blicken Robin und ihr Kater Heinz aus dem Fenster auf die regnerische, graue Stadt. Nirgendwo ist auch nur ein Farbtupfer zu sehen. Erst als sie selbst in ihrem knallgelben Regenmantel eine Erkundungstour macht, findet sie einige wenige Farbtupfer, die jemand anderes hinterlassen hat. Sie selbst beschließt, sich nicht grau machen zu lassen und stößt an der Schule mit ihrer Begeisterung für Farben auf Probleme. Doch immerhin lernt sie dabei einen Schulkollegen kennen, dem es genau wie ihr geht.

Versteckte Farben

Schnell stellt Robin fest, Farben gibt es sehr wohl. Sie sind nur versteht, existieren hinter den Türen. So wie bei ihren Nachbarn, die gerne musizieren. Oder dort, wo der Regenbogen endet. Im Hinterzimmer der Buchhandlung mit vielen farbenfrohen Büchern. Bücher, die offenbar von einer Behörde unterdrückt werden, genauso wie auch die Farben selbst. Denn ihr wird geraten, sich weniger bunt zu kleiden, sich mehr anzupassen.

Die graue Stadt

Licht und seine Geheimnisse

Doch Robin denkt nicht daran, ihre Lebensfreude gegen die Farbe Grau einzutauschen. Denn aus den Büchern hat sie eines gelernt. Alles Licht und alle Farben setzen sich aus Grundkomponenten zusammen, die bunt sind. Wenn das der Fall ist, müsste sie doch eigentlich auch etwas gegen das Grau unternehmen können, oder?

Natürlich gibt es Zeitgenossen, die gerne grau sind. Dazu gehört Robins Kater Heinz, der kein Interesse daran hat, knallbunt zu sein. Trotzdem geht es natürlich nur vordergründig um Farben. Denn etwas, was bunt ist, steht für Vielfalt. Für Andersartig- und Einzigartigkeit. Etwas, was nicht jedem gefällt. Denn jemand, der anders denkt und einen anderen gedanklichen Zugang zu Themen hat, ist nicht so berechenbar. Nicht so einfach zu beeinflussen. Das sind die eigentlichen Themen, gegen die Robin und ihr neuer Freund Alani vorgehen. Denn manchmal benötigt es nur ein paar Handgriffe an den richtigen Hebeln, ein paar Drehungen an den richtigen Rädern und die Dinge ändern sich. Und für ein bisschen Bunt sollte man in einer sich stets verändernden Welt bereit sein.

Die graue Stadt

„Die graue Stadt“ ist ein Werk von Torben Kuhlmann, in dem ein kleines Mädchen, das Farben liebt, in eine graue Stadt zieht. Ihr Eintreten gegen das Grau, für mehr Farbvielfalt, kann sowohl buchstäblich als auch metaphorisch verstanden werden. Und das ist auch eine der Stärken des Buchs. Denn verschiedenen Lesenden erschließen sich auch unterschiedliche Facetten der Handlung. Es ist ein Buch, das man allen Kennern von Torben Kuhlmann nur empfehlen kann.

Details

Bewertung

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