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Kinder mit Stern

von Martine Letterie, Julie Völk (Illustrator*in)
Rezension von Janett Cernohuby | 13. März 2019
Antolin Quiz

Über den Zweiten Weltkrieg mit all seinen Gräuel gibt es viele Bücher: Fachliteratur, Berichte von Holocaust-Überlebenden, Romane über Zeitzeugen. Doch alle diese Bücher sind für Erwachsene geschrieben. Alle greifen die Schrecken auf, rücken sie in den Mittelpunkt und schildern sie schonungslos. Doch alle diese Bücher sind nicht für Kinder geeignet. Die niederländische Lehrerin und Autorin Martine Letterie hat ein ganz besonderes Kinderbuch über Juden während des Zweiten Weltkriegs geschrieben, speziell jüdische Kinder. Darin begleitet sie eine Gruppe Kinder während dieser furchtbaren Zeit.

Ein Buch gegen das Vergessen

Martine Letterie stellt uns sechs jüdische Kinder vor. Da ist Bennie, dessen Vater ihm tolle Spielzeugautos gebaut hat. Klaartje, deren Familie genau wie Rosas versucht aus den Niederlanden und vor den Deutschen zu fliehen. Jules, der nicht mit der Straßenbahn fahren darf und darum durch die ganze Stadt läuft, um mit seinem Freund spielen zu können. Sie alle bangen von Tag zu Tag, wann es an ihrer Tür klingelt und wann sie von den Deutschen abgeholt werden, um dann nach Westerbrock zu fahren. Dort ist ein Lager, in dem Juden leben. Früher oder später landen sie alle dort, selbst Jules, für den seine Eltern zunächst ein Versteck gefunden haben. Von nun an sind die großen Schlafsäle der Baracken ihr Zuhause, spielen sie auf den Flächen zwischen den Baracken und besuchen gemeinsam die Schule, deren Schüler und Lehrer von Woche zu Woche weniger werden. Denn einmal in der Woche kommt ein Zug und fährt Juden aus dem Lager. Doch irgendwann fährt er zum letzten Mal. Irgendwann ist der Krieg vorbei und einige wenige zurückgebliebene sind nun frei.

Kinder mit Stern

Feinfühlig und eindrücklich geschrieben

Wie kann man für junge LeserInnen, für Kinder ab ungefähr zehn Jahren, das Thema Judenverfolgung und -vernichtung während des Zweiten Weltkriegs altersgerecht und glaubwürdig aufbereiten? Wie kann man ihnen die Schrecken und Gräuel jener Zeit erklären, ohne sie gleich zu verstören? Ist das überhaupt möglich?
Ja, das ist es und Martine Letterie schafft dies großartig in ihrem Buch. Gekonnt erzählt sie die Geschichte von sechs jüdischer Kindern, zeigt, wie diese den Krieg und die Deportation miterlebt haben. Freilich ist das kein leichtes Unterfangen, die Schrecken jener Zeit in einem Kinderbuch einzubinden, ohne die jungen LeserInnen zu verstören. Doch mit viel Feingefühl und einem guten Gespür für die Geschichte der Judenverfolgung und für das junge Lesepublikum findet Martine Letterie den richtigen Ton. Sie erzählt von Fluchtversuchen, von den Gesetzen, die den Juden das Leben von Tag zu Tag schwieriger machten, vom Leben im Lager und vom Ende des Kriegs. Sie erzählt von Angst, von Unsicherheit, von Verlust, aber auch von Hoffnung und Menschlichkeit in einer Zeit, in der Menschlichkeit fehlte.

Kinder mit Stern

Natürlich ist „Kinder mit Stern“ kein Buch, das man seiner zehnjährigen Tochter oder seinem zehnjährigen Sohn als Unterhaltungslektüre anbieten kann. Im Gegenteil. Man sollte sein Kind beim Lesen auf jeden Fall begleiten, um Fragen zu beantworten und um Hintergründe zu erklären. Denn auch wenn Martine Letterie die Geschichten der sechs Kinder auf Augenhöhe ihrer LeserInnen erzählt, haben die trotzdem immer noch eine letzte Frage, bewegt sie etwas, dass sie mitteilen wollen. Ganz besonders bei einem Thema wie diesem.
Natürlich gibt es auch Bilder im Buch. Julie Völk wagte sich an diese Aufgabe heran und zeichnete einfache, schlichte Illustrationen, die sehr bedrückend wirken, aber gleichzeitig immer einen kleinen Hoffnungsschimmer durchblicken lassen. Es sind Bilder, die mindestens genauso berühren, wie der Text. Etwa wenn Jules neben dem großen, erdrückenden Kleiderschrank steht, in dem er sich verstecken soll. Wenn Menschengruppen zusammenstehen und auf den Transport nach Westerbrock warten. Oder wenn Klaartje durch das triste Lager zum Unterricht geht, warm eingehüllt in ihren gelben Schal. Julie Völk verstand es ebenso gut wie die Autorin, die Schrecken jener Zeit in ihren Bildern einzufangen, ohne zu verstörend zu wirken.

Kinder mit Stern

„Kinder mit Stern“ ist ein wichtiges Buch mit den Geschichten von sechs Kindern, die stellvertretend für viele tausende jüdische Kinder stehen. Es sind Geschichten, die niemals vergessen werden dürfen. Martine Letterie erzählt sie aber nicht irgendwem, sie erzählt sie Kindern, und das auf eine sehr feinfühlige und eindrückliche Weise.

Details

  • Originaltitel:
    Kinderen met een ster
  • Verlag:
  • Genre:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    02/2019
  • Umfang:
    128 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • Alter:
    10
  • ISBN 13:
    9783551557629
  • Preis (D):
    11,00

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Gefühl:
  • Illustration:

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